BandHI. Spez. Theil.
Kasuistik.
903
Laufende
No.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
282.
G. W., vom Sächsischen 8. In-fanterie-Regiment No. 107, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschussbruch desrechten Oberarms. Eingang vorninnen, Ausgang hinten, 4cm überdem Hakenfortsatz.
Schienen. Eiterung bald sehr reichlich, übelriechend, Aus-spritzungen mit Kreosotwasser, Armbäder, Allgemeinbefinden leidlich.Im Spptember 1870: Entfernung mehrerer Knochensplitter. ImOktober: Zellgewebsentzündung, Eitersenkung nach der Ellenbeuge,Einschnitt. Reichlicher Kallus, starke Verdickung des unteren Schaft-endes. Täglich Armbäder, Wunden abwechselnd geschlossen undeiternd, Abstossung von Kochenstücken, deren grösstes bohnengross.Verheilung der Wunden. Am 17. Juli 1871: nach Teplitz zur Bade-kur entlassen. Feste Vereinigung, Kallus theilweise aufgesogen,Bruch mit geringer Winkelstellung nach aussen verheilt. Muskel-schwund. Schulter- und Handgelenk frei. Beugung und Streckungim Ellenbogengelenk aktiv fast gar nicht, passiv nur mit Schwierig-keit ausführbar.
11 Monate.
283.
K. W., vom 6. Badischen Infanterie-Regiment No. 114, verwundet am17. Januar 1871: Splitterbruch desrechten Überarms durch Gewehr-schuss, 4 cm über dem Ellenbogen-gelenk.
Schwellung und Eiterung bald sehr erheblich, Lagerung aufKissen, Chamillenbäder. Wiederholt Abstossung von Splittern,Schwellung beseitigt, Eiterung bleibt reichlich. Ende März 1871:feste Vereinigung, Wunden eitern noch, Knochen in grosser Aus-dehnung abgestorben. Gebrauch der Bäder in Dürrheim; nachdrei Monaten Rückkehr, Allgemeinbefinden gekräftigt, Zustand desArmes unverändert. Erweiterung der Fisteln mit Pressschwamm,Entfernung von Sequestern, Drainage. Später noch wiederholtEntfernung von Splittern. Im Oktober: rauher Knochen nicht mehrzu fühlen, Dauerbäder; Wunden verkleinern sich rasch. Am30. Oktober entlassen. Massiger Muskelschwund. Beweglichkeitim Ellenbogen beträchtlich eingeschränkt.
10 Monate.
284.
H. W., vom 5. Westfälischen In-fanterie-Regiment No. 53, verwundetam 14. August 1870 bei Colombey—Nouilly: Gewehrschussbruch desrechten Oberarms. Eingang vorn,Ausgang hinten.
Sofort Gypsverband und Ueberführung nach Koblenz. Abstossungvieler Knochensplitter. Im Oktober 1870: Zellgewebsentzündung mithohem Fieber, starke Erschöpfung. Im Sommer 1871 entlassen. KeineVerkürzung. Feste Vereinigung. Starke Auftreibung des ganzenSchaftes, namentlich im untern Drittel. Wunden verheilt. Narbenmit dem Knochen verwachsen. Muskulatur hochgradig abgemagert.Beugung und Streckung im Ellenbogengelenk fast ganz aufgehoben.Arm kraftlos und gelähmt. Dauernd gänzlich erwerbsunfähig.
11 Monate.
_28ö.
«L. W., vom BrandenburgischenHusaren-Reg: nent (Zietensche Hu-saren) No. 3, verwundet am 16. Au-gust 1870 bei Mars la Tour: Gewehr-schussbruch des rechten Oberarms.Eingang an der Aussen-, Ausgangan der Innenseite.
Im gefensterten Gypsverbande nach Hamburg übergeführt.Ankunft am 21. August 1870: Gypsverband mehrfach erneuert,keine feste Vereinigung, Wunden verheilt. 13. März 1871: An-bohren der Bruchenden, Einlegen von Elfenbeinstäbchen.Esmarch'sche Resektionsschiene und Schwebe, später Guttapercha-,dann gefensterter Gypsverband. Am 15. Juli: feste Vereinigung mitunerheblicher Verkürzung. Das untere Ende des Oberarms durchKallusmassen stark verdickt. Wunden verheilt. Der Unterarm hängtin einem Winkel von 130° herab und kann aktiv gar nicht bewegtwerden, passiv ist nur eine Spur von Beugung und Streckungmöglich. (Im V. Bande dieses Berichtes unter „Operation desfalschen Gelenks" nicht enthalten.)
11 Monate.