Band III. Spez. Theil.
Kasuistik.
901
Laufende
No.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
275.
H. S., vom Westfälischen Füsilier-Regiment No. 37, verwundet am6. August 1870 bei Spicheren: Ge-wehrschussbruch des rechten Ober-arms. Eingang vorn, Ausganghinten dicht über dem Ellenbogen-gelenk. Massige Splitterung.
Nach Abnahme der Schwellung gefensterter Gypsverband.Eiterung stets sehr reichlich, gutartig. Im Oktober 1870 werdenmehrere lose Knochensplitter entfernt. Im Januar 1871: Eiterungimmer noch sehr reichlich, Nachlass derselben nach Abstossungvon zwei kleinen Blei- und mehreren Knochenstückchen. KeineVerkürzung. Feste Vereinigung. Knochen massig verdickt. EndeMärz entlassen. Wunden vernarbt, vordere Narben mit dem Knochenverwachsen. Spannung und Verkürzung des zweiköpfigen Muskels,Ellenbogent^elenk stumpfwinklig gebeugt, auch gewaltsam nichtzu strecken. Weitere Beugung im Gelenk unbehindert. Handund Finger frei beweglich.
8 Monate.
276.
G. T., vom Sächsischen Schützen-(Füsilier-) Regiment No. 108, ver-wundet am 2. Dezember 1870bei Villiers: Gewehrschussbruch desrechten Oberarms. Eingang vorn;zwei Ausjjangsöffnungen: eine ander hinteren, die andere an derInnenseite nahe der Gefässfurche.Keine Splitterung.
8. Dezember 1870: Abnahme der anfangs vorhandenen Schwellung,gefensterter Gypsverband, vom Handgelenk bis über die Schulterreichend, Eiterung massig, Allgemeinbefinden gut. 18. Dezember:Verband erneuert. 6. Januar 1871: Ueberführung nach Deutschland.
11. Januar: Ankunft in Leipzig, Eiterung reichlich, innere Aus-gangsöffnung missfarben, Umgebung blauroth, stark geschwollen,Schwellung der Hand. Gypsverband entfernt, Armbrett. 21. Januar:Schwellung beseitigt, Gypsverband. Die Wunden sehen frisch undgesund aus, Eingangswunde verheilt, Allgemeinbefinden gut.
12. März: Die innere Ausgangswunde beginnt sich zu vergrössern,indem sie von schwärzlich missfarbigem Gewebe überwuchert wird,welches sich unter übelriechender Eiterung abstösst, aber immerneu bildet. Hohes Fieber (40°), Karbollösung. 20. März: Wundevon Handtellergrösse, Ränder brandig. 21. März: Gypsverbandabgenommen, Armbrett, anhaltend hohes Fieber. 22. März: Morgens7'/2 Uhr wird T., im Blute schwimmend, fast bewusstlos vorge-funden. Sofortige Unterbindung der Schlagader in der Achselhöhle,wo sich dieselbe bereits theilt; eine stark blutende Blutader wirdgleichfalls unterbunden. Die Bruchstelle erweist sich als noch nichtfest vereinigt. Eis. Vom 23. März ab: Wunde vergrössert sich nichtweiter und reinigt sich unter reichlicher, übelriechender Eiterung.Besserung des Allgemeinbefindens, tägliches Vollbad, Verband mitessigsaurer Thonerde. 5. April: Heilung macht gute Fortschritte,Eitersenkung, Einschnitt. Im Juli alle Wunden fest verheilt,Bruchenden fest vereinigt. Am 15. September entlassen zur Badekurnach Teplitz. Erheblicher Muskelschwund. Ellenbogengelenk steif.(Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 590, No. 32.)
9 Monate.
277.
R. T., vom 4. Garde-Regiment
zu Fuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss-bruch des linken Oberarms, 6 cmüber dem Ellenbogengelenk, vonaussen nach innen.
Bedeutende Schwellung, kalte Umschläge. Am 25. August 1870im Schienenverband nach Stolp übergeführt. Anfang Septembergefensterter Gypsverband. 1. Oktober: Wunden geschlossen, Ver-band entfernt, Kallusmassen sehr stark. Keine Verkürzung. FesteVereinigung. Sehr starke Auftreibung. Ende Oktober entlassen.Massige Abmagerung. Gebrauchsfähigkeit herabgesetzt. Zeitigtheilweise erwerbsunfähig.
2 '/a Monate.