Band HI. Spez. Theil.
Kasuistik.
869
Laufende
No.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
124.
B., vom Sächsischen Schützen-(Füsilier-) Regiment No. 108, ver-wundet am 2. Dezember 1870 beiVilliers: Gewehrschussbruch des lin-ken Oberarms. Eingang etwas ober-halb des Ansatzes des Deltamuskels,Ausgang gerade über der hinterenAchselfalte.
War in verschiedenen Lazarethen behandelt worden, zuerst mitStromeyer'schern Kissen, später mit Gypsverband, Vereinigung derBruchenden war nicht erfolgt. Im Februar 1871 kommt B. mit ver-heilter Eingangsöffnung, aber noch reichlich eiternder Ausschuss-wunde, welche auf abgestorbenen Knochen führt, in Homburg an;er sieht sehr verfallen aus, das Aussehen der Wunden ist verhält-nissmässig gut. Anfang März: Eiteransammlung an der Aussenseitedes Oberarms, der reichliche Eiter ist übelriechend. Am 6. März:Fieber, Erbrechen, Durchfälle und Verfall der Kräfte, später Delirienund Bewusstlosigkeit, Temperatur Morgens und Abends über 40°.Am 11. März: Tod.
Sektion: Rechtsseitige Brustfellentzündung, Milz stark ver-grössert. Der linke Oberarmknochen in grosser Ausdehnung ab-gestorben, vielfach gesplittert, die Splitter unter einander festhaftend,von massenhaften brandigen Bindegewebs- und Muskelfetzen um-geben.
3 Monate.
125.
J. C, vom Schleswigschen In-fanterie-Regiment No. 84, verwundetam 18. August 1870 bei Gravelotte:Gewehrschussbruch des rechten Ober-arms mit massiger Splitterung. KeinAusgang.
Die Kugel wurde in den ersten Tagen herausgeschnitten. Schienen-verband, später gefensterter Gypsverband. Feste Vereinigung trittnicht ein, die Eingangs wunde verkleinert sich, heilt aber nicht zu.Unter bald stärkerer, bald geringerer Eiterung stossen sich kleinereKnochensplitter ab, der Kräftezustand wird durch die langwierigeEiterung erschöpft, der Verwundete bietet die Zeichen hochgradigerBlutarmuth dar. Im Mai 1871: Schüttelfröste. Die Eiterung sehrbedeutend, es entleeren sich Tuchl'etzen und Knochenstückchen,mehrere Einschnitte werden nöthig, das Fieber ist hoch. AnfangJuni: Erguss in die Kniegelenke, Bauchwassersucht. Am 8. Juni: Tod.
Sektion: Beträchtliche Bauchwassersucht. Beide Lungen starkwässerig durchtränkt, von zahlreichen kleinen Eiterherden durch-setzt, besonders in den oberen Lappen. Leber und Milz stark ver-grössert, weniger die Nieren. Der Oberarmknochen in grosser Aus-dehnung abgestorben mit ausgedehntem eitrigen Zerfall der Um-gebung. Eitrige Knochenmarkentzündung.
10 Monate.
126.
G. F., vom Lauenburgischen Jäger-Bataillon No. 9, verwundet am18. August 1870 bei Gravelotte:Gewehrschussbruch des linken Ober-arms. Eingang am äusseren Randedes zweiköpfiges Muskels, Ausgangan der Innenseite. Starke Splitte-rung. Gleichzeitig durchbohrendeBrustwunde durch dieselbe Kugelim viertenZwischenrippenraume mitBruch der fünften Rippe.
Beträchtlicher Bluthusten, ausgedehnte Luftansammlung unterder Haut der linken Brusthälfte. Bei der am 25. August erfolgtenAufnahme in Remilly hat sich bereits starke Jauchung am Ober-arm eingestellt, die vorgeschlagene Exartikulation wird abgelehnt.Stromeyer'sches Kissen. Am 27. und 28. August starke Blutungen,welche durch Tamponade gestillt werden, hohes Fieber. Am 30.und 31. August wiederholte Blutungen, durch Druck auf die Schlüssel-beinschlagader gestillt. Am 31. August: Tod.
Sektion: Chassepotkugel im unteren Lappen der sonst von ent-zündlichen Erscheinungen freien linken Lunge, am Ende eines mitschmierig-chokoladenfarbigem Erguss angefüllten Kanals, dessennächste Umgebung geringe Verdichtung zeigt. Der Oberarmknochengänzlich von Knochenhaut entblösst, in zahlreiche Stücke zersplittert,Jauchung bis in das Schultergelenk, Vena basilica durch Knochen-splitter zerrissen. Riss in der Armschlagader.
13 Tage.