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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
857
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Band III. Spez. Theil.

Kasuistik.

857

Laufende

No.

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

70.

M. J., vom 3. OstpreussischenGrenadier-Regiment No. 4, verwun-det am 27. November 1870 beiAmiens: Gewehrschussbruch dichtunter dem linken Oberarmkopf.Eingang an der Aussenseite, keinAusgang.

Am Tage der Verwundung wird die in der Achselhöhle unter derHaut fühlbare Kugel herausgeschnitten. Wagerechte Lagerung desArmes, Eisblase. Starke Schwellung, Eiterung und Fieber bis MitteDezember. Nach Vernarbung der Ausgangsöffnung gefensterterGypsverband, welcher nach sechs Tagen wieder abgenommen unddurch einen Scultet'schen Verband ersetzt wird. Im Verlaufe desJanuar 1871 werden zahlreiche Splitter herausgezogen; darauflangsame, ungestörte Heilung. Ende Januar ist die Vereinigungbeendet, aber es besteht noch Eiterung aus der Eingangsöffnung ;die Sonde dringt auf rauhen Knochen. Anfang Juni 1871 entlassen.

6 Monate.

71.

E. K., vom Sächsischen 8. Infan-terie-Regiment No. 107, verwundetam 18. August 1870 bei Gravelotte:Splitterbruch des rechten Oberarmsdurch Gewehrschuss. Eingang ander Innenseite, die Kugel verliefweiter unter den Bedeckungen desSchulterblattes und des Rückens undtrat rechts dicht neben der Wirbel-säule (Wirbel nicht angegeben) her-aus. Gleichzeitig Streifschuss andie rechte Schulter.

Verlauf anfangs günstig; Ende September 1870: Eitersenkungen,welche zu ausgedehnten Einschnitten — auch an der rechten Brust-wand in Höhe der Brustwarze — führen. Mitte Oktober werdenaus der Ausgangsöffnung neben der Wirbelsäule zwei 5 cm langeschmale Knochensplitter entfernt, welche fortgeschleuderte Körper zusein scheinen. Ende Dezember werden aus dem Einschnitt an derBrust 10—12 kleine Knochensplitter ausgezogen. Am 27. Januar1871 wird K. mit verheiltem Bruch nach Leipzig gebracht, nach-dem alle Wundöffnungen mit Ausnahme der Eingangsöffnung sichgeschlossen haben. Letztere eitert noch wenig und lässt die Sondeauf rauhen Knochen stossen; die Oeffnung wird am 9. Februar nachunten um 5 cm blutig erweitert, nach Entfernung eines 1 '/a cmlangen Sequesters durch Naht geschlossen und drainirt. Im Augustund September: Badekur in Teplitz. Am 3. Oktober wird K. mitwieder aufgebrochener Eingangsöffnung in Leipzig aufgenommen;am 8. November Entfernung eines 1 cm langen, Vs cm breiten Knochen-splitters; hierauf vernarbt die Wunde dauernd. Der Bruch ist ver-heilt, die Verkürzung beträchtlich. K. wird am 30. November 1871geheilt entlassen. (Vergl. Lossen, Zeitschrift für Chirurgie, Bd. 2,S. 48, No. 5.)

15 >/« Monate.

72.

K., Lieutenant, verwundet am30. November 1870 bei Villiers:Schussbruch des linken Oberarmsohne Splitterung. Einschuss an derAussenseite 7 cm unter dem Schulter-gelenk; Kugel am inneren Rande deslinken Schulterblatts ausgeschnitten.

Mehrmaliger Wiederaufbruch der Wunden, aus denen sich Tuch-fetzen entleert haben; im Dezember 1871 sind die Wunden fastvernarbt. Bewegungen im Schultergelenk fast ganz unmöglich,Ellenbogengelenk kann nur wenig über einen rechten Winkel hinausgestreckt werden. Schwere Gegenstände kann die Hand wederhalten noch heben. Lähmungsartiger Zustand, dem Verluste desArmes gleich zu achten.

73.

G. v. K., vom 1. Garde-Regimentzu Fuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Zerschmette-rung des rechten Arms 5 cm unterder Achselhöhle.

Schienenverband, vom 12. Tage an gefensterter Gypsverband, inwelchem v. K. bis Potsdam übergeführt wird. Gypsverband bleibtbis zur Vereinigung liegen; der Verlauf ist günstig, die Eiterunggering. Ende Oktober ist die Heilung des Bruches beendigt, esbesteht aber noch Eiterung aus beiden Wundöffnungen. Am 5. No-vember 1870: Entfernung eines 4 cm langen, 3 cm breiten Sequestersdurch den Meissel, ebenso einer Anzahl kleiner Knochenstücke undeines bohnengrossen Kugelstückes, das mit Hilfe der elektrischenSonde gefunden war. Am 14. November: Wundrose. Geheilt.

5 Monate.

Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Spez. Theil.

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