Band III. Spez. Theil.
Kasuistik.
853
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
53.
E. B., vom 1. Garde-Regiment z. F.,verwundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschussbruch desrechten Oberarms mit ausgedehnterSplitterung. EingaDg vorn aussen,Ausgang hinten innen; äussere Oeff-nung sehr gross und klaffend.
In mehreren Sitzungen werden im Ganzen 38 Splitter ausgezogen,Schienenverband, Karbolöl, Ausspritzungen mit Kali hypermang.Am 30. September 1870 Ankunft in Bonn; ausserordentlich reich-liche und übel riechende Eiterung, hohes und anhaltendes Fiebermit raschem Kräfteverfall und lebhaften Schmerzen. Grosse GabenChinin. Wiederholte und ausgedehnte Einschnitte. Am 22. De-zember Entfernung eines 2 1 /« cm langen Knochensplitters; ein an-derer Knochensplitter hatte die Haut durchbohrt und wird gleich-falls entfernt. Nachlass der Eiterung und langsam fortschreitendeBesserung, unterbrochen durch 9tägige Wundrose am Arm undRücken. Am 1. März 1871 mit geschlossener Wunde entlassen.
67» Monate.
54.
C. D., vom Leib-Grenadier-Regi-ment (1. Brandenburgisches) No. 8,verwundet am 6. August 1870 beiSpicheren: Granatschuss in den lin-ken Oberarm. Ausgedehnte Zer-reissung des Deltamuskels, Brust-muskels, Rabenschnabel - Armmus-kels sowie mit Nervenzerreissung.
Am 19. und 21. August 1870 Entfernung von Splittern, derengrösster 2'/2 cm lang, sowie von abgestorbenen Gewebstheilen; Fest-stellung durch Schienen, Verband mit Karbollösung. Bereitsam 24. September reichlicher Kallus und theilweise Vernarbung dergrossen Wunde unter sehr geringer Eiterung, die mit warmen Um-schlägen behandelt wird. Am 31. Januar 1871 als geheilt entlassen.Feste Vereinigung, Abmagerung des ganzen Armes und Herab-setzung der Temperatur in demselben. Beugung im Ellenbogen-gelenk aktiv möglich, wenn bei gestrecktem Arme die Hand ein-wärts gerollt ist. Die Strecker gänzlich gelähmt, Hautgefühl ingeringem Grade erhalten, am Daumen gänzlich fehlend. (Vergl.Schüller, S. 43, No. 20.)
6 Monate.
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55.
H. F., vom Westfälischen Füsilier-Regiment No. 37, verwundet am6. August 1870 bei Spicheren: Gre-wehrschussbruch des rechten Ober-arms mit Ein- und Ausgangsöffnung.Erhebliche Splitterung. GleichzeitigSchussbruch der linken Elle in derNähe des Handgelenks.
Am 6. August 1870 Entfernung eines 4 cm langen Knochen-splitters. Holzschienenverband. Häufige Temperatursteigerungen,welche fortbestehen, obwohl phlegmonöse Stellen eingeschnitten,Eiterhöhleu geöffnet und Knochensplitter entfernt werden; auchsorgfältige Drainage erweist sich fruchtlos. Ende Oktober Ab-stossung eines 4 cm grossen Knochenstückes; danach Besserung.Ende Januar 1871 Entlassung. Feste Vereinigung. Auftreibungnicht erheblich. Der Arm kann ohne Beschwerden bis zur Wage-rechten erhoben werden.
6 Monate.
56.
H. G., vom 1. WestpreussischenGrenadier-Regiment No.6,verwundetam 6. August 1870 bei Spicheren:Splitterbruch des linken Oberarms;gleichzeitig l) Streifschuss an denRücken, 2) Schusswunde unterhalbder Gräte des linken Schulterblattsohne Ausgangsöffnung.
Kam am 16. August 1870 in Pappschienenverband in Fürsten-feldbruck an, woselbst sofort eine Anzahl von Splittern entferntwird. Schwellung und Eiterung sehr stark, wogegen Umschlägemit warmer Karbollösung; lebhaftes Fieber. Auch die Umgebungder Schulterblattwunde stark geschwollen. Im August und Sep-tember werden mehrfache Splitter aus dem Oberarm entfernt, theil-weise unter Chloroform, während nach Abnahme der Schwellungam Schulterblatt am 30. August die Schussöffnung daselbst bis zurSpitze des Schulterblattes gespalten und eine grosse Eitermengeentleert wird, worauf rasche Verheilung eintritt. Anfang Novemberwird am Oberarm eine Eiterhöhle eröffnet, Ende November ist derBruch vollständig fest verheilt, Anfang Januar 1871 sind sämnit-liche Wundöffnungen geschlossen. Gymnastische Uebungen, Bäder.Im März geheilt entlassen. Keine Verkürzung. Feste Vereinigung.Muskelschwund sehr erheblich. Beugung des Ellenbogengelenksvollkommen, Streckung unvollständig. Ein- und Auswärtsrollen desVorderarmes voll erhalten, Gebrauchsfähigkeit der Hand nicht ge-hindert. Schultergelenk frei.
7 Monate.