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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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Vtll. Kapitel: Verwundungen des Oberarms.

Band III. Spez. Theil.

in den Verband eingeschlossen wurden, so bei W. (No. 204),bei welchem gleichwohl der Bruch in Winkelstellung ver-heilte. (Siehe ausserdem No. 193, 207, 218, 276.) Dassdie feststellenden Verbände je nach dem Wundverlaufehäufigen Wechsel erfahren mussten, geht aus zahlreichenKrankengeschichten hervor. Von den 7G Geheilten desoberen Drittels erhielten früher oder später 39, von den64 Geheilten des mittleren Drittels 48, von den 71 Ge-heilten des unteren Drittels 48 einen Gypsverband. Dem-nächst am häufigsten wurden Schienenverbände mannig-fachster Art verwendet; nur in einer Beobachtung (No. 86)ist der Strohschienen gedacht, welche Französische Aerzteangelegt hatten. Bei den Schussbrüchen des oberen Drittelsleistete zur Feststellung des kurzen oberen Bruchendes dasStromeyer'sche Kissen werthvolle Dienste. Verschiebungder Bruchenden kam unter dem Gypsverbande vielleichtnoch häufiger als unter anderen Verbänden vor; bei denin solcher Weise behandelten Verletzungen des unterenDrittels findet sich öfter als sonst der Vermerk, dassErscheinungen von Druck eintraten. Bei drei Verletzungen(No. 220, 279, 285) des unteren Drittels wurden Resektions-schienen verwendet; einem der genannten Verwundetenwar dieser Verband besonders angenehm, nichtsdestowenigermusste derselbe wegen eintretender Druckerscheinung baldwieder entfernt werden. Als Transportverband dientehauptsächlich der Gypsverband, in einigen Fällen Schienen-verband. Die von Bardenheuer neuerdings so warmempfohlene Extension wurde in bewusster Weise bei einemVerwundeten (No. 142) und zwar dadurch bewirkt, dassman den Kranken mit dem Oberkörper hochlagerte, so dassdie Schwere des herabhängenden Arms die Streckung be-wirken sollte.

Zur Beseitigung des massenhaften Kallus wendete manin einem Falle (No. 236) Druckverbände an, vielleichtgestützt auf die Beobachtung, dass an den Stellen, woSchienen gelegen hatten, der Kallus gering, in der Um-gebung aber um so mächtiger war (No. 224).

Von Armbädern machte man bei den Verletzungen desoberen und mittleren Drittels sehr selten, häufig bei den-jenigen des unteren Drittels Gebrauch, sowohl während derEiterung, als auch hauptsächlich im späteren Verlauf zurBeseitigung von Kallusmassen, Gelenksteifigkeiten und zurBeförderung der Abstossung von abgestorbenen Splitternbei eiternden Fisteln.

In der Nachbehandlung kam auch Elektrizität zurAnwendung, hauptsächlich wohl dann mit Erfolg, wenneinfache Abmagerung in Folge der langen Ruhe bestand.

Zu den Wundverbänden und Ausspülungen sindalle damals bekannten antiseptischen Lösungen zur Ver-wendung gekommen; einmal rührte man sogar den Gyps-brei mit Karbollösung an (No. 47). Drainage findet sichin zahlreichen Krankengeschichten erwähnt. 1 ) Bei einem

i) Siehe No. 55, 66, 71, 81, 93, 100, 101, 190, 240, 283.

Verwundeten bediente man sich angeblich desLister-verbandes" (No. 236); derselbe musste jedoch wegenstarker Eiterung täglich 2 mal gewechselt werden 1 Bei zweiVerwundeten trat nach Einführen von CharpiewiekenWundrose auf.

Die Zahlen der wichtigeren Operationen sind inTabelle HI auf S. 831 zusammengestellt. Kleinere Eingriffe(Entfernung von Kugeln und Splittern, Resektion von Bruch-enden, Operation des falschen Gelenks) haben bereitsim Vorangegangenen nähere Erörterung erfahren, einigegrössere sind an anderen Stellen dieses Berichtes kasuistischmitgetheilt und im Zusammenhange mit gleichartigen Vor-nahmen an anderen Körperstellen besprochen. 1 )

Schlagaderunterbindungen wurden nach Vei*-letzungen des Oberarms bei Deutschen 49mal (an 39 Ver-wundeten) 2 ) ausgeführt, und zwar:

7 Unterbindungen der Schlüsselbeinschlagader,14 Achselschlagader,

25 Armschlagader,

1 Unterbindung der tiefen Armschlagader,1 der Speichenschlagaderlbei hoher Theilung

1 Ellenschlagader Jder Armschlagader.

Zweimalige Unterbindung wurde nothwendig bei:

L. (V. Band, S. 580, No. 8 und nachfolgende KasuistikNo. 135), Unterbindung der Schlüsselbeinschlagader unter- undoberhalb des Schlüsselbeins. Gestorben.

Th. (V. Band, S. 579, No. 5 und S. 590, No. 34), Unter-bindung der Arm- und Schlüsselbeinschlagader. Geheilt.

H. (V. Band, S. 584, No. 2 und S. 592, No. 5), zweimaligeUnterbindung der Armschlagader. Geheilt.

N. (V.Band, S. 592, No. 11), zweimalige Unterbindung derArmschlagader. Gestorben.

T. (V. Band, S. 590, No. 32 und nachfolgende KasuistikNo. 276), Unterbindung der Armschlagader (zugleich einer Blut-ader). Geheilt.

') Wegen Nervenresektionen siehe V. Band, S. 637, und VII. Band,S. 21 und 114; wegen Transfusion V. Band, S. 635 und III. Band,Allgemeiner Theil (Grössere Operationen); wegen Anssägungen imVerlaufe des Schaftes V. Band, S. 545 und III. Band, AllgemeinerTheil (Grössere Operationen).

2) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 579, No. 5 und 6, S. 580,No. 8 (nachfolgende Kasuistik No. 135) und 11, S. 581, No 15, S. 583.No. 2, 4, 7 und 8, S. 584, No. 9, 11, 12 und b. 1, 2 und 3, S. 585,No. 5, 9 und II, S.586 (Brachialis), No. 1 und 4, S. 587, No. 7 und 10,S. 588, No. 13, 15, 17,18 und 21, S. 589, No. 27 (vergl. Berichtigungenzum V.Band) und 30, S. 590, No. 32 (nachfolgende Kasuistik No.276).34 und 37, S. 591, No. 41, S. 592, No. 5, 6 (nachfolgende KasuistikNo. 290), 8,9,11 und 12, S. 593, No. 16, S. 596, No 11 (nachfolgendeKasuistik No. 131) Der hier erwähnte Fall 11 auf S. 584 des V. Bandesist, weil das Schulterblatt von der Verwundung mitbetroffen war,auch unter den wegen Brustwunden vorgenommenen Unterbindungenaufgeführt. (Siehe S. 540 dieses Bandes, No. III.) Zu den hierbezeichneten 41 Verwundeten kommt J. (No. 131 der nachstehendenKasuistik) hinzu, welcher im V. Bande nicht verzeichnet steht. Vondieser Summe (42) kommen 3 Mann in Abzug, welche zu mehrfachenUnterbindungen Veranlassung gaben und in Folge davon im V. Bandean zwei Stellen aufgenommen sind. (Vergl. oben im Text unterzweimalige Unterbindung" die Verwundeten Th. und H., unterdreiUnterbindungen" den Verwundeten P.)