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Yfll. Kapitel: Verwundungen des Oberarms.
Band III. Spez. Theü.
II. Physikalische Geschosswirkmig. — Fremdkörper in den Wunden.
Nebenverletzungen.
Die in der nachstehenden Kasuistik aufgeführten 295Verletzungen des Oberarms sind sämuitlich durch Geschosseder Feuerwaffen hervorgebracht und waren mit einer ein-zigen Ausnahme mit Verletzungen der Weichtheile ver-bunden. Ueber diese Ausnahme berichtet die Kranken-geschichte No. 203: ein Granatsplitter traf — anscheinendwährend der Belagerung von Strassburg — die Mitte desOberarms und bewirkte einen Bruch ohne Trennung derHaut, mit massiger Quetschung der Weichtheile: der Aus-gang war bezüglich der Brauchbarkeit des Armes sehr un-günstig, da erhebliche Störungen seitens der Nerventhätig-keit zurückblieben. Dieser Beobachtung schliesst sich einBrach der Elle ohne Weichtheilwunde durch Granatsplitteran, — eine Verletzung, welche sich neben einem Schuss-bruch des Oberarms im unteren Drittel vorfand (No. 253).
Die 33 Verletzungen des Knochens ohne Bruch(mit 4 Todesfällen) bieten Beispiele für verschiedene Stufendes allmäligen Ueberganges von den leichtesten Streifungenbis zur Abtrennung von Splittern und schliesslich zur Ent-stehung der Brüche. Zunächst ist bemerkenswerth Beobach-tung No. 12, in welcher die Kugel an der Aussenseite desoberen Drittels eindrang, um den Knochen herumging und voll-ständig platt geschlagen am inneren Bande des zweiköpfigenMuskels herausgeschnitten wurde. Seitens des Knochenstraten keine Krankheitserscheinungen ein, so dass eineerhebliche Quetschung der Knochenhaut oder des Knochensnicht wohl bestanden haben kann. Eine ähnliche Verletzungfindet sich bei B. (No. 24). In anderen Krankengeschichtenwird als einziger Ausdruck einer Verletzung der Knochen-haut oder des Knochens eine später auftretende knöcherneAuftreibung hervorgehoben (No. 20, 34). Einige weitereBerichte deuten gleichfalls lediglich auf eine Verletzung derKnochenhaut hin, welche von dem unverletzten Knochenabgelöst war (No. 23), oder durch eitrige Entzündung ab-gehoben wurde (No. 37, 40, 41). Der Knochen selbst warzum Theil nur ganz leicht gestreift, so dass sich im weiterenVerlaufe kleine abgestorbene Plättchen oder unregelmässiggeformte Stückchen loslösten — 9 Beobachtungen —, zumTheil fanden sich rinnenförmige Defekte (No. 15, 43).Aber auch grössere Splitter wurden durch die Kugel ab-getrennt (No. 21, 36, 38), bei R. (No. 17) ein Knochensplittervon l'/2cm Länge, bei Anderen kamen erhebliche, einengrossen Theil des Umfanges betragende Substanzverlustezu Stande (No. 28, 35). Beobachtung No. 31 berichtetschliesslich über eine A b s p r e n g u n g d e s i n n e r e n E p i k o n-dylus, welche, nach dem günstigen Ausgange der Ver-letzung zu urtheilen, eine rein örtliche Verletzung gewesenist. Wahrscheinlich darf hierher auch Beobachtung No. 264
gerechnet werden, desgleichen vielleicht No. 221, 227, 290.Von örtlich scharf begrenzten Verletzungen am oberenSchaftende — abgesehen von Streuungen — ist in der hierfolgenden Kasuistik nur ein Beispiel (No. 88) enthalten.')
Immerhin sind diese einfachen Verletzungen seltengewesen, die Regel bildeten vielmehr Brüche, welche mitgeringere]' oder stärkerer Splitterung einhergingen. Nachden voranstehenden Tabellen verhält sich die Zahl der Schuss-brüche zu derjenigen der einfachen Knochenverletzungen wie10:1. Die Feldärzte, für welche eine möglichst genaueFeststellung, ob Splitterbruch vorlag oder nicht, häufig vonentscheidender Bedeutung (für die Frage der Transport-fähigkeit oder des Verbandes) war, haben bei sehr vielenVerwundeten die ermittelten Zustände in den Kranken-geschichten vermerkt; bei einer weiteren Reihe von Ver-letzungen lässt sich aus dem Verlaufe ersehen, ob stärkereSplitterung vorhanden war oder nicht. Rechnet man die-jenigen Verwundeten zusammen, bei welchen keine odergeringe Splitterung einerseits, Splitterung schlechtweg oderstarke Splitterung andererseits vermerkt ist, oder aus derKrankengeschichte sich ergiebt, so überwiegen unter denerhaltend Behandelten bei den Verletzungen am oberenDrittel die Brüche mit Splitterung um 10 Fälle (54 : 44),am mittleren Drittel um 20 Fälle (45 : 25), am unterenDrittel um 7 Fälle (41 : 34). Für einfache Brüche in denbeiden unteren Dritteln bieten die KrankengeschichtenNo. 208, 254 und 270 bemerkenswerthe Beispiele. VonBedeutung ist auch die Mittheilung No. 108, nach welchereine dicht unter dem chirurgischen Halse eindringendeKugel nur geringe Splitterung des oberen, hingegen starkeSplitterung des unteren Bruchendes bewirkte.
Was die Ursachen der Splitterung anlangt, so sei hiernur auf zwei besonders begünstigende Bedingungen hin-gewiesen, für welche sich Beispiele in der Kasuistik vor-finden. Dahin gehört einmal die Anschlagstellung desMannes, welche zur Folge hat, dass die verwundende Kugelhäufig in einer zur Axe des Gliedes mehr oder wenigerschrägen Richtung auftrifft, somit den Knochen in einemlängeren Durchmesser durchsetzt (No. 113, 120, 200, 204,274, 279); zweitens die Sprengwirkung der Geschosse, welchebei Schüssen aus naher oder nächster Entfernung zu Staudekommt (No. 134, 241). An den Weichtheilen machte sichdieses Ereigniss namentlich im oberen Drittel durch grosseEinschussöffnungen (No. 53, 139, 241), oder grosse Aus-schussöffnungen mit ausgedehnter Muskelzerreissung und
') Siehe jedoch wegen Lochschüssen durch den Oberarmkopf unddurch den chirurgischen Hals S. 673, linke Spalte, Anmerkung 3.