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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
erwähnt ist und oft zu langdauernder Eiterung undFistelbildung selbst nach Heilung der Schusswunden Ver-anlassung gab. Bei N. (No. 44) waren die an denKnöcheln gelegenen Kugelöffnungen nach etwa 6 Wochenvernarbt, als sich auf dem Fussrücken ein Eiterherd bildete,der so bedeutend war, dass er Einlegung von Drains er-forderte; noch im 7. Monat nach der A r erwundung stiessensich Knochensplitter aus demselben ab. Auch bei R.(No. 10) fand nach Heilung der Schusswunden oberhalbder Ferse und auf der Vorderseite des Gelenks Durchbruchdes Eiters auf dem äusseren Knöchel statt. Nachdem auchdiese Wunde geheilt war, mussten noch 3 Monate späterEinschnitte zur Entfernung von Knochensplittern gemachtwerden. Ein neuer Aufbruch der etwa in 2 Monaten ge-heilten Wunde war bei L. (No. 115) durch ein zurück-gebliebenes Stück der Fussbekleidung hervorgerufen.
Septicämische und pyämische Zustände, 1 ) diesich durch Schüttelfröste bemerkbar machten, wurdenvon mehreren Verwundeten glücklich überstanden (No. 22,112, 12(5).
8 mal trat Wundrose bei Deutschen auf, ohnetödtlich zu werden (No. 40,53,84, 114, 119, 125, 127, 130).P>ei dem Franzosen G. 2 ) war dieselbe mehr brandigerNatur und machte die Amputation nöthig, worauf Heilungerfolgte. Phlegmone nahm bei Seh. (No. 126) einengünstigen Ausgang, obgleich sie sich bis über das Knieerstreckt hatte. Hospitalbrand wurde bei Z. (No. 42)geheilt. Leichte Kieferklemme bestand bei U. (No. 143)4 Wochen lang (!), ohne den Tod herbeizuführen. Druck-brand am Kreuzbein wurde geheilt bei P. (No. 97),mit gleichzeitigem Druckgeschwür an der Ferse bei B.(No. 56), an letzterer Stelle allein bei D. (No. 125).Bndlich wurde Lungenentzündung (No. 114), Typhus(No. 22) und Ruhr (No. 32) glücklich überstanden/
Zur Unterstützung der Wundbehandlung wurdenausser der Bedeckung der Wunden mit den damals zurVerfügung stehenden Stoffen dauernde Fussbäder gernin Anwendung gezogen.
Die Feststellung des Gelenks fand meist durch Gyps-verband statt, der zuweilen gleich auf dem Schlachtfelds(No.48), zuweilen erst nach Abnahme der Schwellung (No. 119)angelegt wurde und mehrmals 5 bis 6 Wochen lang liegenbleiben konnte (No. 64, 131, 12). Lebhafte Schmerzentrieben den Verwundeten N. (No. 44) dazu, den A r erbandwährend der Nacht eigenhändig zu zerstören; das Beinwurde auf einer Blechschiene gelagert, doch die Schmerzennahmen an Heftigkeit zu und Hessen erst nach Anlegungeines neuen Gypsverbandes nach. Wegen Bildung von Eiter-herden musste der Gypsverband hier und da mit der Heister-scheu Lade (No. 31) oder der Bonnct'schen Drahthose (No. 65)
1 ) Diejenigen Wundkrankheiten, welche als Todesursachen an-zusehen waren, siehe unter Tödtlicher Ausgang".
2 ) Siehe im V. Bande dieses Berichtes, K. 351 No 54.
vertauscht werden. Die Lagerung des eingegypsten Fusscsfand mehrfach in der Schwebe statt (No. 38, 44). Auchzur Ucberführung der Verwundeten erwies sich der Gyps-verband als sehr zweckmässig (No. 9, 44,133). Anwendungfanden ausser den schon erwähnten Heister'schen Beinladen(No. 16, 66) und Bonnet'schen Drahthosen noch Schienen(No. 67, 70, 114) verschiedenster Art.
Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass der Gyps-verband, oder ein anderer erhärtender Verband, für dieWunden des Fussgelenks im Felde die zweckmässigste Be-handlungsart bildet, sobald nicht heftige Schmerzen daslängere Liegen unmöglich machen. Nur ist es nöthig, denVerband in ähnlicher Weise anzulegen, wie es v. Berg-mann am Kniegelenk gethan: mit aseptischer Bedeckungder Wunde, mit Einschluss des Kniegelenks und ohneFenster. Die Heilung des Gelenks in der natürlichenBuhestellung des stehenden Fusses, in welcher derselbeim rechten Winkel gegen den Unterschenkel geneigtist, erscheint so wichtig, dass v. Langenbeck (a. a. (.).,S. 226) sogar die Benutzung eines Winkelmaasses bei derAnlegung des Verbandes für zweckmässig erachtet, umleichte Abweichungen zu erkennen.
Hat der Fuss während der Heilung eine fehlerhafteStellung angenommen, so ist er so bald w r ie irgendmöglich in die naturgemässe Lage zurückzubringen. BeiF. (No. 28) glückte die Richtigstellung eines Klumpfusseanoch durch passive Bewegungen, nachdem man die An-legung einer Lederkapsel zu diesem Zwecke wegen derSchmerzen aufgegeben hatte. Die Heilung trat dann mitSteifheit im rechten Winkel ein.
Von den IS zurückgebliebenen Geschossen wurden16 durch Herausziehen aus der SchussöH'nung oder durchEinschnitt entfernt, theils gleich nach der Verwandung(No. 12, 39, 55, 130, 165), theils erst später, und zw r ar imReservelazareth (No. 168), am 4. Tage (No. 86), in der2. Woche (No. 50, 67), in der 3. Woche (No. 38), nach3 Wochen (No. 24, 71), nach 2 Monaten (No. 17, 119);einmal erfolgte die Herausnahme zweier Kugeln erst nach2 1 /« Monaten (No. 40).
Einschnitte zur Entleerung von Eiter und Knochen-splittern nahm man sehr häufig vor. Den Ort derselbenbestimmte die Eiteransammlung selbst, v. Langenbeckhebt (a. a. 0., S. 229) hervor, dass, wenn die Wahlder Einschnittstelle frei steht, besonders zur Entfernungvon Knochensplittern des Sprungbeins, die Gegend an derInnenseite der Strecksehne der 2. Zehe vorzugsweise dazugeeignet ist, weil von hier aus die weiteste Freilegung desGelenks möglich und Verletzungen der hart an der Aussen-seite des grossen Zehenstreckers verlaufenden vorderenSchienbeinschlagader und des Wadenbeinnerven nicht zubefürchten sind. Bei Einschnitten hinten an der Innenseiteder Achillessehne fordert die Sehnenscheide des hinterenSchienbeimnuskels und die hintere Schienbeinschlagaderschonende Vorsicht.