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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
R., Franzose, vom 87. Infanterie-Regiment, verwundet am17. September 1870 in Strassburg: Granatsplitter an der Fuss-sohle. Es trat in Folge der Quetschung eine sehr bedeutendeGeschwulst am Fusse ein, welche sich nur langsam zurück-bildete. Man fühlte die hintere Gelenkfläche des ersten Mittel-fussknochens aus seiner Verbindung mit dem Keilbein vollständiggelöst und zur Hälfte über die Oberfläche als scharfkantigenRand hervorragen. Die Streckersehne lief darüber hinweg alsdeutlich sichtbarer Strang. Der Kranke ging mit Krücken und
konnte nur mit der Ferse des verwundeten Fusses auftreten.Von Einrenkungsversuchen war Hilfe nicht mehr zu erwarten,ebensowenig schien irgend ein anderer Eingriff zur Beseitigungdes überstehenden Knochenrandes angezeigt. (Vergl. Wahl,S. 43.)
In nachfolgender Tabelle sind die Arten der Ver-wundung des Fussgelenks und deren Ausgang bei zu-wartend bebandelten Deutschen zusammengestellt.
Arten der Fusssjelenkwunden bei zuwartend behandelten Deutschen 1870/71.
4
o
a
Art der Verletzung.
Kapselverletzungen ohne Knoehenhesehädignng
Verletzungen derUnterschenkelknoehen
der Knöchel
Streifungen
( ohne Beschädigung anderer Knochen
Brüche
( eil
( mit Bruch anderer Knochen..........
eines Knöchels allein............
eines Knöchels mit Bruch anderer Knochen . . .
I beider Knöchel.......... ...
( ausserhalb der Kapsel mit Splitterung bis ins Gelenk
, i innerhalb des Gelenksl mit
Brüche des Schienbeins
Bruch des Sprungbeins
des Sprungbeins allein . . .Brüche des Sprungbeins.........{ mit gleichzeitigem Knöchelbruch
mit gleichzeitigem Bruche anderer Knochen
Verletzungen des Fersenbeins.
( des Fersenbeins allein ....' (mit Verletzung anderer Knochen
Verletzungen der Fusswurzel ohne Bezeichnung der einzelnen KnochenSchusswunden des Fussgelenks ohne Angabe der getroffenen Theile . .
Summe
Ver-wundet.
6541335453
123
10
11
2
22170
Davon
ge-storben.
278
37
55
Die Sterblichkeit bei erhaltend behandelten Schuss-wunden des Fussgelenks betrug danach im Feldzuge 1870/71bei Deutschen Verwundeten 19.»$, also 5j| mehr alsII. Fischer (II, S. 810) auf Grand von 69 Beobachtungenangiebt. Sie mitspricht aber genau dem Verluste; derAmerikaner, welche nach Chisholm 20$ Todesfälle beider zuwartenden Behandlung der Fussgelenkschiisse zuverzeichnen haben.
Was die Diagnose der Schusswunden des Fussgelenksanlangt, so liess wohl immer die Lage der Schußsöffnungenund das äussere Befühlen die Verletzungen des nur vonHaut und Sehnen bedeckten Gelenks erkennen. Austrittvon Gelenkfliissigkeit findet sich in keiner Kranken-geschichte bemerkt. Sehr häufig war starke Gelenk-schwellung vorhanden, die aber trotzdem das Reibegeräuschder gegen einander bewegten Bruchstücke nicht immerverdeckte (No. 136, 166).
Leichte Schwellungen pflegen sich am frühesten an
der Vorderseite des Gelenks zu zeigen 1 ) und zwar amvorderen Bande der Knöchel, besonders vor dem äusserenKnöchel, da die Ausdehnungsfähigkeit der Kapsel an dieserStelle durch das weite Vorspringen der äusseren vorderenEcke des Sprungbeins grösser ist, als an der inneren Seite. iSchwappen der Flüssigkeit ist bei massigem Erguss nichtnachweisbar, weil die über die Vorderseite der Kapsellaufenden Sehnen, durch Druck gegen den Knochen, denFlüssigkeitswechsel von einer Seite zur anderen be-schränken.
Das Auffinden der Geschosse ist trotz der freienLage des Gelenks mehrfach erst später geglückt, wie die bei8 Verwundeten (siehe unter Behandlung) erst nach Wochenerfolgte Herausnahme derselben zeigt. Selbst 2 Kugeln,
') Vergl. Hueter-Lossen 1887, II, S. 292