Band III. Spez. Theil.
VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.
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(Vergl. v. Laugenbeck, Chirurgische Beobachtungen aus demKriege. 1874. S. 12.)
159. 0. T., Sekondlieutenant, verwundet am 18. August 1870bei Gravelotte: Gewehrschuss an die innere Seite des linkenKniegelenks mit Verletzung des inneren Gelenkknorrens.Eingang: 3'/äcm oberhalb des inneren Randes der Kniescheibe.Ausgang: in der Kniekehle dicht neben den Sehnen der innerenSeite. Bis zum 20. März 1871 im Lazareth Bessungen, späterin Privatpflege. Herausnahme von 11 Knochensplittern vonverschiedener Grösse durch Einschnitt. Heilung war biszum 10. September 1871 vollendet. Wegen Steifheit desBeines ausser Dienst, gebrauchte T. die Bäder Warmbrunn undEms, that dann mit grosser Anstrengung Garnisondienst.
1872 unterzog er sich wieder einer zehnwöchentlichenBadekur in Warmbrunn. Trotzdem schwoll das Gelenk selbstbei geringer Anstrengung an; das Beiu war zum Gehenund Stehen zeitweise unbrauchbar. Am 11. August 1872:Ausser den beiden Schussnarben befindet sich in der Gegenddes inneren Gelenkknorrens eine 5 cm lange, schräg Von hintennach vorn aufwärts laufende Narbe, welche in ihrem unterenTheile fest mit einer Kinne im Knochen und den Sehnen derAnziehmuskeln verwachsen ist. Obgleich Beugung und Streckungvollkommen ausgeführt werden können, bedingt doch die Un-brauchbarkeit des Knies Invalidität.
160. W. F., Musketier vom 4. Brandenburgischen Infan-terie-Regiment No. 24 (Grossherzog von Mecklenburg-Schwerin),verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour: Gewehr-schuss in das linke Knie, vom äusseren Rande der Kniekehlezum inneren Rande der Kniescheibe dringend, mit Abspren-gung eines Stückes vom inneren Knorren. Am 29. Augustim Reservelazareth Lübeck; daselbst einfache Behandlung mitRuhe und Karbolsäureverband. Am 10. Januar 1871 geheilt.Die Gebrauchsfähigkeit des Beines ist nur wenig beeinträchtigt.
161. J. K., Musketier vom Sächsischen 8. Infanterie-Regiment No. 107, verwundet am 2. Dezember 1870 bei Villiers:Gewehrschuss durch das rechte Kniegelenk. Eingangsöffnungoben am äusseren Rande der Kniescheibe. Ausgangsöffnunghinten am Oberschenkel, 4 cm über der Kniekehle. Gefässe undNerven unverletzt. Ausserdem verursachte das Geschoss nocheine Fleischwunde am linken Oberschenkel. Im Feldlazarett zuAnnet starke Eiterung, geringe Knochensplitterung; geheilt ausdem Reservelazareth Zwickau entlassen. Der äussereKnorrenist aufgetrieben, die Beugung des Gelenks behindert, dieGehfähigkeit ziemlich gut.
162. Deutscher Offizier, verwundet am IG. August 1870bei Mars la Tour: Gewehrschuss in das rechte Knie mit Ab-sprengung des äussern Knorrens. Wurde geheilt; auch bc-gann die lieweglichkeit sich wiederherzustellen. (Vergl. Bohr,Deutsche militärärztliche Zeitschrift. 1872. S. 266.)
163. IL,s Musketier vom 3. Westfälischen Infanterie-Regi-ment No. 16, verwundet am 7. Januar 1871 bei Vendome: Ge-wehrschuss an das linke Knie. Das Geschoss drang vorn 2'/2 cmoberhalb der Kniescheibe ein, ging schräg nach innen unten,brach den inneren Knorren des Oberschenkels und trat18 cm von der Eingangsöffnung entfernt aus. Spaltung des Schuss-kanals behufs Eiterentleerung und Herausnahme von Knochen-splittern. Mitte Mai 1871 Heilung mit vollständiger Steifheitdes Gelenks. Gänzlich erwerbsunfähig. (Vergl. Berthold,S. 565. No. 8.)
164. St., Musketier vom 3. Westfälischen Infanterie-Regi-ment No. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschuss durch das linke Kniegelenk. Das Geschoss brach,
von hinten eintretend, den inneren Knorren des Ober-schenkels und nahm seinen Ausgang vorn an der äusserenSeite der Kniescheibe. Ende Januar 1871 Heilung mit Knochen-auftreibung und Schwellung des Gelenks; das Gelenk ist nichtvöllig steif, gestattet geringe Beugung. Zeitig grösstentheilserwerbsunfähig. (Vergl. Berthold, S. 565. No. 15.)
165. D., Musketier vom 3. Westfälischen Infanterie-Regi-ment No. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour :Gewehrschuss durch das rechte Kniegelenk vom inneru Knorrendes Oberschenkels nach hinten aussen an der Kniekehle. EndeNovember 1870 Wunden geheilt, noch bedeutende Auf-treibung' des inneren Knorrens. Umfang 2 x ji cm grösserals links. Beweglichkeit des Gelenks sehr beschränkt. Zeitiggrösstentheils erwerbsunfähig. (Vergl. Berthold, S. 565, No. 12.)
166. M., Füsilier vom 3. Westfälischen Infanterie-Regi-ment No. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Fleischschusswuude des rechten Oberschenkels und Gewehrschussin das linke Kniegelenk. Eingang in der Kniekehle, Bruch desinnern Knorrens des Oberschenkels, an dessen Innenseitedie Kugel ausgeschnitten wurde. Heftige Gelenkentzündung,langdauernde starke Eiterung, die lange Einschnitte am Gelenkerheischte. Anfang Januar 1871 Heilung mit völliger Steif-heit des Gelenks, Abmagerung des ganzen Beines und Schwä-chung des allgemeinen Kräftezustandes. Verstümmelt. (Vergl.Berthold, S. 564, No. 4.)
167. A. N. vom 8. Brandenburgischen Infanterie-RegimentNo. 64 (Prinz Friedrich Karl von Preussen), aufgenommen in dasReservelazareth München (Haidhausen) am 7. September 1870.Schusskanal vom inneren Rande der linken Kniescheibe etwasnach aussen und oben gegen den äusseren Schenkelknorrenverlaufend. Bei tiefem Druck Entleerung von synoviaähnlicherFlüssigkeit. Gelenkschwellung, übelriechender Eiter. Schmerzbeim Stoss unter die Fusssohle. Zahlreiche Eiterherde. Entleerungvon Knochensplittern fand füufMonate lang statt. Heilungmit Steifheit. (Vergl. Mayer, S. 77, No. 17.)
168. G. W., Füsilier vom Königs-Grenadier-Regiment(2. Westpreussisches) No. 7, verwundet am 4. August 1870:Schuss durch das rechte Kniegelenk, mit Schiefbruch derKnorren des Oberschenkels, welcher sich bis indas mittlere Drittel desselben erstreckte. W. kam am15. Oktober ins Reservelazareth Schwetzingen: Abmagerungerheblich; an der hinteren Seite des Oberschenkels lag ineiner grossen Wunde der Knochen zu Tage; man gelangte vonhier aus in das mit übelriechendem Eiter gefüllte Kniegelenk.Von der Mitte der Wade bis zur Ferse tiefgehender Druckbrand,der allmälig vernarbte. Bruchstücke frei beweglich. Das Beinwurde mittels einer auf der Vorderfläche befestigten Schiene inSchwebe behandelt; später Wasserglasverband mit Watte-polsterung.
Anfang März 1871: Bruch fast geheilt, Druckbrand gut ver-narbt. Steifheit des Kniegelenks, Verkürzung des Beines um5 cm, Beeinträchtigung der Bewegung des Fussgelenks. Ver-kümmerung des unteren Theiles der Wade, mit Beeinträchtigungder Beugung des Fussgelenkes. Geht seit Anfang Februar aufKrücken. Am 13. März nach Baden. (Vergl. Schinzinger, S. 78.)
169. F. F., Unteroffizier vom Braunschweigischen Husaren-Ret>iment No. 17, verwundet am 16. August 1870 bei Marsla Tour: Gewehrschuss quer durch den äusseren undinneren Knorren des linken Oberschenkels. An letzteremdie Kugel herausgeschnitten. Der Heilungsprozess verlief ohneStörung; bedeutende Auftreibung der Knorren, Steifheit undgrosse Schwäche des Gelenks blieben zurück; Gehbewegungsehr behindert.
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