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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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BandHI. Spez. Theil.

VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.

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IV. Verlauf und Behandlung.

Nicht nur Kapselverletzungen ohne Knochenbetheiligungmit einfacher Oeffnung des Gelenks (No. 19, 20), mitDurchdringung desselben von vorn nach hinten (No. 47)oder quer unter dem Scheibenbande (No. 75, 76) sind ohneFieber verlaufen, sondern auch Schussbrüche des Gelenks(No. 114, 173).

Unter Schorf, ohne Eintritt von Fieber, kam einLochschuss der Kniescheibe (No. 114) und ein Bruch derKnorren des Oberschenkelknochens (No. 155) zur Heilung;zweimal aber erwies sich die Schorfbildung als trügerischerHeilungsvorgang: nach einer Kapselquetschung (No. 5), beiwelcher nach Abstossung des Schorfes die völlige Oeffnungdes Gelenks folgte und die Entzündung stärker wurde,ebenso nach einer einfachen Kapselöffnung (No. 29), welchesich im Verlaufe von 3 Wochen geschlossen hatte. WenigeTage nach anscheinend beendeter Heilung trat Fieber ein,die Narben brachen auf, und aus dem Gelenk entleertesich eine grosse Menge übelriechenden Eiters.

Bei anderen Verwundeten erfolgte ebenfalls schein-bare Heilung mit ganz geringer Gelenkentzündung. B.(No. 141) befand sich 3 Wochen nach erlittener Streifungdes Oberschenkelknochens schon ausser Bett. Eine Wochespäter trat Schmerz nebst Schwellung ein, und einige Tagedarauf ergoss sich jauchiger Eiter aus dem Gelenk. Erstarb, nachdem er die vorgeschlagene Amputation ver-weigert, zwei Monate nach der Verwundung.

Durch unzweckmässiges Verfahren eines Verwundeten,der einen Schuss durch beide Kniegelenke erhalten hatte,wurde der reaktionslose Verlauf in der 3. Woche unter-brochen. Nach einem Sprung ans dem Bette stellte sichheftige Gelenkentzündung ein, welche Veranlassung zurResektion mit tödtlichem Ausgang wurde 1 ).

Zu wirklicher Heilung unter geringer Entzündungund Eiterung kamen mehrere Kapselverletzungen (No. 16,52, 53, 78, 85). Auch nach Entfernung einiger Knochen-splitter von der Kniescheibe und Einkeilung des Geschossesin den Knorren des Oberschenkels war die Entzündung(lei^Ch. (No. 95) nur massig. Ein anderer Verwundeter(No. \56), dessen Oberschenkelknorren von einer Kugeldurchbohrt waren, hatte zwar anfangs einen starken Erguss,doch bestand nach 3 Wochen nur noch unbedeutendeEiterung ohne Fieber.

Ohne oder mit nur geringer Entzündung verliefenfemer 4 Streifungen der Oberschenkelknorren, derenBeschreibung an dieser Stelle eingefügt ist, weil es sichanscheinend nicht um Verletzungen des Gelenks selbsthandelt.

>) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 525, No. 5.

1. W. IL, Einjährig - Freiwilliger vom 5. ThüringischenInfanterie-Regiment No. 94 (Grossherzog von Sachsen), ver-wundet arn 6. August 1870: Gewehrschuss am linken Knie.Beide Schussöffnungen lagen an der Innenseite, der Knorrenwar gestreift. Im Reservelazareth Karlsruhe wurden Knochen-splitter entfernt, Lagerung in Schienen. Geringe Eiterung.keine Reaktion. Am 25. Tage vollständige Heilung. (Vergl.Socin, S. 147, No. 5.)

2. G. K, Husar vom 2. Rheinischen Husaren-RegimentNo. 9, verwundet am 27. November 1870 bei Amiens: Gewehr-schuss. Eintrittsöffnung an der Innenseite des Oberschenkels,Austritt oberhalb der Kniescheibe; Streifung des innerenKnorrens. Keine wesentliche Reaktion. Heilung mitBeweglichkeit. (Vergl. IL Fischer, S. 208, No. 253; daselbstals Soldat des 9. Infanterie-Regiments aufgeführt.)

3. Ungenannter, verwundet am 30. September 1870:Gewehrschuss. Eingangsöffnung an der Innenseite des linkenKnies dicht über dem Schenkelknorren, Ausgang dicht nachaussen von der Sehne des M. semimembranosus. Die Verletzungder Kapsel war zweifelhaft. Gypsverband mit grossem Fenster,welches beide Wunden frei Hess; wässrige Karbolsäurelösung,Eis. Entzündung des Gelenks trat nicht ein, dieWunden heilten bald. Am 17. August: Abnahme des Verbandes;das Gelenk war schmerzlos, ohne Schwellung und in Anbetrachtder langen Feststellung ziemlich frei beweglich. (Vergl.Kirchner, S. 67, No. 187.)

4. Ungenannter: Schussrinne am inneren Knorren desOberschenkels. Unter gleicher Behandlung war der Verlaufwie bei No. 3, nur die Eiterung etwas hartnäckiger. (Vergl.Kirchner, S. 67, No. 188.)

Mehrfach hat die Gelenkentzündung mit ihrem Eintritt(wie beim Hüftgelenk)gezögert, obgleich meist Kapselöffnungdurch das Geschoss oder Hineinziehen der Knochensprüngein das Gelenk anzunehmen war. Nach einem Knorren-bruch mit Ausgang in Heilung (No. 171) trat erst nach3 Wochen Gelenkschwellung und Fieber ein. Auch vonden Gestorbenen boten mehrere anfangs einen günstigenWundverlauf (No. 34, 43, 121, 122). E. (No. 174) Hessnach einem Knorrenbruch nur unerhebliche Schwellungund Schmerzhaftigkeit erkennen, bis in der 4. Woche unterFieberbewegungen die tödtliche Eiterung begann, auchbei B. (No. 325) bot die Gelenkentzündung keinen Anlasszur Besorgniss, als in der 5. Woche Eitersenkungen dieungünstige Wendung einleiteten.

Durch äussere Veranlassungen traten Gelenkentzündungenmehrmals nach Schienbeinverletzungen ein, bei denen dieKapsel selbst nicht vom Geschoss getroffen war. G.(No. 219), welcher einen Streifschuss an das Schienbein er-halten hatte, machte in der 3. Woche Gehversuche, welcheGelenkentzündung und reichlichen Austritt von Gelenk-wasser zur Folge hatten. Die Heilung erfolgte erst nach5 Monaten. Seh. (No. 251) konnte nach einem Schussdurch den Kopf des Schienbeins bis zum 15. Tage den