Band III. Spez. Theil.
VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.
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220, 222, 227, 228, mehr an der Seite bei No. 219,224?; gleichzeitige Verletzung des Wadenbeins fand stattbei No. 226 und 229; schliesslich ging eine das Schienbeinstreifende Kugel schräg durch die Mitte des Gelenks(No. 223). Ein ganz eigenartiger Kugelverlauf fand sichbei B. (No. 225). Arnold nimmt an, dass das Geschoss,welches zuerst die vordere Gelenkfläche des äusserenKnorrens getroffen und Knorpel und Knochen in der Aus-dehnung einer fünfpfennigstüekgrossen Fläche beschädigthat, nach unten abgelenkt ward und, mit dem Hintertheilevoran, die Schussrinne am Schienbein verursachte, an derenEnde sie festsass.
Einheilungen der Kugel in das Schienbein scheinenbei H. und K. (No. 230 und 231) stattgefunden zu haben.
Brüche des Schienbeins, anscheinend ausserhalbder Kapsel mit Splitterung ins Gelenk, erlitten fünf Ver-wundete (No. 236, 238, 240, 248, 251). Der BruchNo. 236 stellt eine kanalförmige Durchbohrung des Schien-beinkopfes dar, bei deren Zustandekommen eine starkeDruckwirkung nach allen Richtungen stattgefunden hat.Von den Oeffuungen laufen vorn und hinten lange Sprüngein den Schaft des Knochens; nach oben ist die ganzeDecke des Kanals, welche die Erhabenheiten in der Mitteder Gelenkfläche trägt, in einzelnen Bruchstücken in dasGelenk hineingehoben.
Von je hundert am Kniegelenk verwundeten Deutschendes Feldzuges 1870/71 sind laut vorstehender Zusammen-stellung bei zuwartender Behandlung 39 gestorben. DieSterblichkeit ging also weit über den von Heinzel(Deutsche militärärztliche Zeitschrift, Jahrgang 1875, S. 325)auf Grund von 156 Beobachtungen mit 43 Todesfällen be-rechneten Satz (27.5 g) hinaus. Im Amerikanischen Kriegeverliefen nach Chisholm (ebendas. S. 326) von 153 zu-wartend behandelten Schusswunden des Kniegelenks 53 =52 g, im Russisch-Türkischen Kriege nach Sokolow 1 ) von166 derartigen, ohne Operation behandelten Verwundungen60 = 36.U § tödtlich.
Von 90 Kap sei Verletzungen ohne Knochenbetheili-gung führten 1870/71 bei zuwartend behandelten Deutschen27 = 30 g zum Tode, von 33 Schusswunden der Knie-scheibe 11 = 33g und von 123 Verletzungen desÜberschenkelknochens bezw. des Schienbeins oderbeider zusammen, ohne und mit gleichzeitiger Beschädigungder Kniescheibe, 77 = 62.6 g. Nur der Prozentsatz derzuletzt angeführten Verwundeten stimmt mit HeinzeisAngabe (S. 352) überein, welcher unter 44 derart Ver-letzten 27 Gestorbene = 61.3 g aufführt, während er nach
] ) Roth, Jahresbericht 1881, S. 127.
88 einfachen Kapselöffnungen 13 = 14.7$ und nach24 Kapselöffnungen mit Verletzung der Kniescheibe 3 =12.5 g Todesfälle verzeichnet.
Die Sterblichkeit nach Schienbeinverletzungenwar um 10 JJ höher als nach Verletzungen des Oberschenkel-knochens: sie betrug bei ersteren in 36 Fällen 69.4 g, beiletzteren in 87 Fällen 59.» g.
Von den Kapselverletzungen ergaben die Quetschungeneine Sterblichkeit von 12.5 g, die einfachen Eröffnungen39.5$, die Durchdringungen dagegen, sowohl bei Durch-schiessung des Knies von vorn nach hinten, als auch voneiner Seite zur anderen, nur 25 £. Dieses auffallende Ver-hältniss ist darauf zurückzuführen, dass die meist durchperiphere Streifungen erfolgten einfachen Eröffnungen mitgrösseren Gewebsverlusten verbunden waren, welche denSchluss der Wunde durch Verschiebung der Weichtheilevereitelten, sowie darauf, dass diese Verschiebung zuweilennoch durch die steckenden Geschosse verhindert wurde.Bei 38 einfachen Oeffnungen waren 10 mal die Kugelnnicht ausgetreten. Von diesen 10 Verwundeten wurden 2(No. 11, 31) geheilt, 8 hingegen starben (No. 35, 40 bis46); im Ganzen liegen 15 Todesfälle in Folge einfacherKapselverletzung vor, so dass gewiss das zurückgebliebeneGeschoss hier auch als mechanisch schädigend anzu-sehen ist.
Von 36 Quetschungen, Streifungen und Rinnen-schüssen der Knochen führten 12 = 33.3 g den Todherbei. Am ungefährlichsten waren die Verletzungen derKniescheibe: sämmtliche 10 derartig Verwundete sind ge-heilt worden; von 13 Streifungen des Oberschenkelknochensverliefen 6 = 46 g und von 12 Streuungen des Schien-beins 5 = 41.7 g tödtlich.
Nach Schussbrüchen und Kugeleinkeilungengingen von 120 Verwundeten 76 = 63.3 g zu Grunde.Von 23 Scheibenbrüchen führten 11 = 47.6 g, von55 Brüchen des Oberschenkels 33 = 60 g, von 9 Brüchendes Oberschenkelknochens und des Schienbeins 7 = 77.o gzum Tode. Von 5 Verwundeten mit Brüchen des Ober-schenkelknochens und der Kniescheibe wurde keiner geheilt.Von den Brüchen, welche einen Knochen betrafen, botendiejenigen des Schienbeins die grösste Sterblichkeit: von22 derartig Verwundeten starben 20 = 91 g.
Besonders hervorzuheben ist, dass völlige Schuss-brüche ausserhalb der Kapsel mit Splitterung bis insGelenk, ebenso die Splitterungen des oberen Endes desSchenkelknochens ins Hüftgelenk, sämmtlich den Todzur Folge hatten. 6 mal kamen anscheinend Einheilungendes Geschosses, 4 mal in den Oberschenkelknochen, 2 malin das Schienbein zu Stande.
Eanitäts-liericht Über die Deutschen Heere 1870/71. JH. Bd. Spez. Theil.
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