748
VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
I II
Verrenkungen des Schenkelkopfes auf das Darmbeinmit fester Verwachsung haben sich 2 mal gebildet (No. 88und 109).
Mit dem Knochen war bei B. (No. 81) eine Narbeverwachsen, welche Spannung verursachte; bei Bl. (No. 83)bewirkte eine festsitzende Narbe trichterförmige Einziehungder Haut.
Ueber die Stellung des Oberschenkels im steifenGelenk fehlen 4 mal Angaben (No. 24, 31, 108 und No. Xauf S. 606). Die feste Verwachsung erfolgte in Streckung(No. 2), in Aussendrehung (No. 45, 81, 83), in Beugung(No. 39, 102) und in beinahe rechtem Winkel (No. 4),ferner in Beugung und Aussendrehung (No. 3, 97), endlichin Beugung und Einwärtsdrehung (No. 110).
Verkürzung des Beines ist nach den Kapsel-verletzungen No. 1 und 2 und nach Zerschmetterung desgrossen Bollhügels (No. 24) nicht eingetreten. Dagegenbetrug dieselbe nach 6 Brüchen des Schenkelhalses (No. 39,41, 44, 45, 46, 83 — Bruch des Gelenkkopfes bis in denSchenkelhals —), 1 Pfannenbruch (No. 97) und bei denmit Verrenkung des Gelenkkopfes Geheilten (No. 47, 88,110) 3 bis 11 cm. Die geringste Verkürzung von nur 2 cmund 2 l /-> cm blieb nach Brüchen des Schenkelhalses zurück,von denen der eine (No. 46) ausserhalb, der andere (No. 45)innerhalb der Kapsel stattgefunden hatte.
Der Ausgleich des Längenunterschiedes der Beinekommt durch Beckenverschiebung, die nur bei R.(No. 46) besonders hervorgehoben wird, zuweilen soweit zuStande, dass eine Ungleichheit bei bekleidetem Körper über-haupt nicht wahrnehmbar ist. Aber auch nach der ge-sunden Seite findet gelegentlich durch das Bestreben, dasschwächere Bein zu entlasten, Senkung des Beckens statt,so dass das leidende Bein sogar länger erscheint (No. 109und 111). Eine Erhebung des vorderen oberen Darm-beinstachels um 3 cm über die Höhe des entsprechendenKnochens der gesunden Seite ist ferner bei v. d. B. (No. 2)beobachtet. Als Folge der Beckenverschiebung trittdann eine ausgleichende Verkrümmung der "Wirbelsäulenach der Seite ein, wie sie sich bei dem Invaliden B.(No. 111) findet.
Auch das Kniegelenk hat durch Verwundung desHüftgelenks mehrmals dauernden Nachtheil erlitten. D.(No. 44) konnte den Unterschenkel nach 2 Jahren wegenVerwachsungen und Schrumpfung der Kapsel des Knie-gelenks nur bis zu einem Winkel von 30 ° beugen. Inleichter Beugung stand das Knie des Invaliden F. (No. 97).Mangelhafte Beweglichkeit des Knie- und Fussgelenks, dieR. (No. 46) zurückbehielt, war anscheinend nur durchUnthätigkeit entstanden, da sie durch eine 6wöchentlicheBadekur völlig gehoben wurde.
Die Gebrauchsfähigkeit des Beines stellte sichnach Kapselverletzungen so weit her, dass M. (No. 1) ganzgut gehen konnte und v. d. B. (No. 2) später wieder in denaktiven Dienst eintrat. Nach Bruch des Schenkelhalses
vermochte R. (No. 46), ohne zu hinken und ohne Stockgut zu gehen; ebenso war der Gang des B. (No. 47) nachBildung eines neuen Gelenkes auf dem Darmbein gut,während v. R. (No. 43) beim Treppensteigen Schwierig-keiten zu überwinden hatte. Nach einem Gelenkschuss ohnenähere Angabe der getroffenen Theile war B. (No. 111)im Stande mit Hilfe eines Stockes zu gehen.
Ungünstiger sind die Ergebnisse bei den VerwundetenB. und W. (No. 81 und 118), welche mit sehr behinderterBrauchbarkeit des Beines geheilt sind. Auch D. (No. 44)vermochte sich nur mit Hilfe eines Stockes mühsam einekurze Strecke fortzubewegen. Wegen Schmerzhaftigkeitdes Gelenks musste sich W. (No. 24) zum Gehen zweierStöcke bedienen; durch unzweckmässige Stellungen desOberschenkels wurden 4 Verwundete, S. (No. 39), N. (No. 88),F. (No. 97) und H. (No. 110), zum Gebrauch von Krückengenöthigt.
2 Invalide wurden nur als grösstenteils erwerbs-unfähig angesehen: B. (No. 81), bei welchem die Kugelim Schenkelkopf eingeheilt war und W. (No. X, S. 606),der einen Schambeinbruch erlitten hatte; die anderen, so-weit bezügliche Angaben vorliegen (No. 39, 43, 44, 83,109, 110 und No. XI auf S. 601), waren sämmtlich ver-stümmelt.
B. Tödtlicher Ausgang.
Bei den 73 Schusswunden des Hüftgelenks, nach welchender Tod eintrat, ist 70 mal eine Todesursache namhaftgemacht.
Nur 5 Mann starben an einer selbstständigen, von derWunde unabhängigen Krankheit: an Ruhr P. (No. 37),Seh. (No. 51), R. (No. 60), P. (No. 67), R. (No. 79);3 innerhalb der ersten 6 Wochen nach der Verletzung,2 (No. 37 und 51) erst nach 4 bezw. 6 Monaten. P. (No. 37)war durch die langdauernde reichliche Eiterung starkabgemagert und erlag in höchster Erschöpfung, währendbei Seh. (No. 51) schon die Verwachsung des gebrochenenKnochens stattgefunden hatte.
Verletzung und Erkrankung des Bauchfellsführte 3 mal zum Tode. Bei den Verwundeten G. und P.(No. 116 und 117), die am 3. Tage starben, hatte dieKugel das Bauchfell selbst getroffen, bei H. (No. 106) wardasselbe erst nach 6 Wochen durch fortgeleitete Phitzündungergriffen, die vom zerschmetterten wagerechteu Schambein-ast aus in das Becken eingedrungen war.
An Schock starb am Tage der Verwundung selbstnach ausgedehnter Zerschmetterung des Schenkelhalses K.(No. 75). Starrkrampf führte am 11. Tage den Toddes R. (No. 36), dessen Befinden anfangs gut gewesen war,herbei. Durch Herzschlag verschied E. (No. 92) am16.Tage, nachdem er wenige Stunden vorher aufgestanden undzu einem anderen Bett gegangen war. Eine vorangegangenestarke Blutung, die durch Ausstopfen der Wunde zum Stehengebiacht war, hatte die Umlagerung des Verwundeten er-
i