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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
Knochen des Beckens waren, abgesehen von den-jenigen Brüchen, die sich bis in die Gelenkpfanne erstrecktenoder in unmittelbarer Nähe derselben stattfanden, 4mal durchGeschosse, welche das Gelenk verletzt hatten, gebrochen, undzwar das Kreuzbein bei C. (No. 96), das Steissbein bei G.(No. 7), das Darmbein bei G. (No. 116), ein nicht ge-nannter Beckenknochen bei P. (No. 117). Ob bei K.(No. 72) die Zerschmetterung des Kreuzbeins durch denGelenkschuss zu Stande kam, ist nicht ersichtlich.
Der Ho den sack wurde von einem Geschoss, welchesdurch beide Oberschenkel ging (No. 13), die Wurzel desPenis bei H. (No. 41) durchbohrt, welcher für längereZeit eine Urinfistel zurückbehielt.
Von den Organen der Beckenhöhle verletzte dieKugel, welche das Hüftgelenk traf, 4 mal die Blase [No. 49,103, Unteroffizier H. 1 ) und Ch. H. 2 )] je lmal den Mast-darm allein (No. 96) und Blase und Mastdarm zugleich (Seh.,No. 102). Die Schussrichtungen, in welchen Blasen- undGelenkverletzung vermuthet werden können, liegen, wiev. Langen!)eck (S. 11) darlegt, entweder in schrägenoder mehr geraden Durchmessern des Beckens. Es sinddiejenigen Linien, die man von der Vorderfläche derOberschenkel in der Höhe der unteren Darmbeinstachelzum Sitzbeinausschnitt der entgegengesetzten Seite (No. 49),und von den Schambeinhöckern zum Ausschnitt oderdem Knorren des Sitzbeines derselben Seite zieht;Blase und Mastdarm können zugleich mit dem Gelenkeverletzt sein, wenn der Schusskanal vom Kreuzbeinrandezum gleichseitigen Schambeinhügel geht (No. 102). DerMastdarm und das Gelenk waren durch ein Geschossgetroffen, welches nach aussen von der Schenkelschlagaderein- und durch das Kreuzbein austrat (No. 96).
Während bei den 3 soeben erwähnten Verwundeten, dieauch v. Langenbeck anführt, das Geschoss sowohl den vor-deren, wie den hinteren Abschnitt des kleinen Beckens durch-setzte, verliefen bei den Verwundeten B. (No. 103) undCh. IL, deren Blase verletzt wurde, die Schusskanäle mehr inquerer Bichtung, vom eiförmigen Loch zur Gelenkpfanneder anderen Seite, und von der Gegend hinter dem rechtengrossen Rollhügel bis zum unteren Rande der linkenHinterbacke.
Erst nach 14 Tagen trat bei de M. (No. 49) Harn-abgang aus der Gelenkwunde ein, nachdem anfangs dieEntleerung willkürlich und schmerzlos stattgefunden hatte;bald nach der Verwundung floss der Urin aus beiden
') Siehe die Krankengeschichte auf 8. 739.2 ) Siehe S. 602 dieses Bandes, No. XII
Schussöffnungen bei Seh. (No. 102), zuerst mit Blut, dannmit Darmkoth gemischt.
Zwei dieser Verwundeten mit Verletzung von Becken-organen, der Franzose de M. und Seh. (No. 49 und 102), botenschon nach 4 Wochen keine Krankheitserscheinungen mehrseitens der Blase bezw. des Mastdarmes dar und konntenspäter geheilt entlassen werden. Bei den 4 Gestorbenen warendie verhängnissvollen Folgen der mangelnden Harn- undKothentleerung eingetreten, welche den Tod an Septicämieoder Pyämie herbeiführten: Der Unteroffizier H. starb am12. Tage, 3 Tage nachdem die Resektion des Gelenkesgemacht war, bei welcher man mit dem Finger durch denPfannenboden in eine mit Urin und Jauche gefüllte Höhlehineinreichen konnte. B. (No. 103) starb nach 4 Wochen;neben der Harnblase fand sich bei der Sektion eine Höhlung,die einen vollständigen Urinbehälter darstellte. * Nach7 Wochen erlagen Ch. H. und C. (No. 96). Bei dem Ersterenhatte sich an der Innenseite des Darmbeins ein Jaucheherdgebildet, der bis zum Oberschenkel herabreichte, bei Letz-terem ein mit Koth und Eiter gefüllter Hohlraum an derSeite der Harnblase.
Das Bauchfell wurde 3mal von Geschossen getroffen,welche durch das Gelenk in die Beckenhöhle eintraten(No. 116, 117 und Franzose B., No. 101). Bei dem letz-teren blieb das Geschoss im Psoasmuskel in der Höhedes 3. Lendenwirbels stecken und rief ausser der Bauch-fellentzündung einen Erguss in der darüberliegenden Brust-fellhöhl e hervor. (Eine Bauchfellentzündung durch Fort-leitung siehe bei H., No. 106.)
Vereiterung und Verjauchung des Binde-gewebes im kleinen Becken ohne Betheiligung des Bauch-felles kam 5mal zur Beobachtung (No. 42, 57, 66, 80, 95).Die Beckenknochen waren nur bei L. (No. 80) und B.(No. 42) unversehrt; bei Ersterem trat die Kugel nachStreifung des Gelenkkopfes über den vorderen Becken-rand ein, wurde aber in dem Jaucheherd nicht aufgefunden;bei dem Andern war das Geschoss, welches den Schenkel-hals durchbohrt hatte, durch das eiförmige Loch eingetretenund lag in einer Jauchehöhle neben dem Mastdarm. Voneinem Schusskanal, der durch die Beckenhöhle verlief,ging die Verjauchung der getroffenen Seite bei W. (No. 66)aus. Nach der Zerschmetterung des hinteren Pfannen-randes und eines Theiles des Hüftbeines war der M. iliacus(No. 95) und nach einem Bruch des Schenkelhalses dasBeckengewebe vereitert bei St. (No. 57), der möglicher-weise noch Verletzungen der umschliessenden Beckenknochenerlitten hatte.