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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

Band III. Spez. Theil.

Wurzelgelenk aus zugänglich ist oder nach Zerstörung desdreieckigen Knorpels geöffnet wird. Nur zwei der kleinenGelenke haben vollkommen geschlossene Kapseln, nämlichdie Verbindung zwischen dreieckigem und Erbsenbein, des-gleichen diejenige zwischen dem grossen vielwinkligen Beinund dem ersten Daumenknochen. Wie diesen anatomischenVerhältnissen gemäss die Eiterung sich verbreitet hatte,konnte v. Langenbeck (a. a. 0., S. 201) an den Folgenderselben zweimal während der Resektion feststellen, beiwelcher er alle jene Gelenkflächen durch eine feste Knochen-masse zu einem Knochen verschmolzen fand.

Aus diesem Grunde sind nicht nur Brüche der Unter-armknochen bis ins Gelenk, sondern auch zahlreiche Ver-letzungen der Wurzel und der oberen Enden der Mittel-handknochen, sowie Streifungen mit nachfolgender Steifheitder Hand in Nachstehendem alsWunden des Handgelenks"aufgefasst.

Da das rechte Handgelenk beim Kampfe mit dem Säbelder Verletzung besonders ausgesetzt ist, kann es nicht auf-fallen, dass die beiden genaueren Mittheilungen, welche übererhaltend behandelte Hiebwunden vorliegen, sich auf dasgenannte Gelenk zweier Kavalleristen beziehen. Der eine(vergl. v. Beck, S. 593, No. 7) erhielt zu gleicher Zeit einenGewehrschuss durch die Hand; er wurde mit Steifheit desGelenks, Abmagerung der Finger und starker Verunstaltungder Mittelhandknochen geheilt. Dem anderen (vergl. Luecke,S. 33, No. 19) wurde am 18. August 1870 nicht nur dasGelenk geöffnet, sondern auch ein Stück der Elle ab-geschlagen. Die Behandlung bestand in senkrechter Ruhe-stellung, Karbolsäureverband und Anwendung der Eisblase,dann in Anlegung eines Gypsverbandes. Nachdem weiter-hin ein Einschnitt auf dem Handrücken gemacht war undsich später ein kleines Knochenstückchen gelöst hatte, er-folgte im Oktober 1870 die Heilung.

Unter den erhaltend behandelten Schuss wunden findensich 2 sichere Kapselverletzungen (No. 1 und 2), beidenen Beschädigung der Knochen nicht erwähnt ist; diedritte Beobachtung (No. 3) lässt es allerdings zweifelhaft,ob nicht vielleicht das Gelenk frei geblieben, da über denZustand bei der Heilung nichts bemerkt ist. Von diesenVerwundungen wurde eine (No. 1) durch Granatschusshervorgerufen, welcher die Beugeseite traf, die beidenanderen durch Gewehrgeschosse. Die Kugel lief bei No. 2von der Mitte der Rückseite des Gelenks um die Speicheherum bis zur Beugeseite, woselbst der Austritt 27s cmoberhalb des Gelenks erfolgte. Dieses vollständige Um-kreisen des Knochens erscheint nicht unverständlich, wennman annimmt, dass die Hand bei der Verwundung in Supi-nation und rückwärts gebeugt war, da in dieser Stellung dieSchussrichtung sich mehr der geraden Linie nähert. Auchunter den 4 Kapselverletzungen mit Knochenstreifungen(No. 4 bis 7) findet sich ein Ringelschuss (No. 6), dessenEntstehungsweise aus der kurzen Beschreibung aber nicht er-sichtlich ist. Weitgehende Zerreissungen in der Hohlhand

hat eine Mitrailleusenkugel (No. 4) verursacht, welcheschräg durch den Handteller verlief, unter Schonung desvorstehenden Erbsen- und Hakenbeins, anscheinend auchdes Schlagaderbogens, und nur das tiefer liegende drei-eckige Bein streifte. Verletzung an der Rückseite erlittder unter No. 5 aufgeführte Verwundete. Ein Beispiel vonseitlicher Streifung zwischen den Griffelfortsätzen und derWurzel (von Löffler 1864 einmal beobachtet), deren Ent-stehung Beugung der Hand Speichen- bezw. eilenwärtsermöglicht, liegt aus dem Kriege 1870/71 nicht vor.

Ebensowenig wie bei den Knochenschüssen des Ellen-bogengelenks ist bei denen des Handgelenks immer ausden Krankengeschichten zu entnehmen, ob nur die bestimmtbezeichneten Knochen oder noch andere knöcherne Theilegetroffen waren. Ferner ist nicht überall ersichtlich, obes sich nur um Streifungen oder um Brüche handelt. MitAusschluss der 4 erwähnten Kapselwunden mit Knochen-streifung sind dieVerletzungen der Handwurzel und Mittel-handknochen", sowie die durch Schüssein" unddurchs"Gelenk entstandenen, sämmtlich als Knochenbrüche auf-gefasst, dagegen die Beschädigungen der Unterarmknochennur dann, wenn die Trennung des Zusammenhangs aus-drücklich bemerkt ist.

Lochschüsse durch das untere Ende der Vorderarm-knochen sind 1870/71 nicht beobachtet, wohl aber führtDemme eine derartige Verletzung ohne jede Splitterung an.

Brüche beider Unterarmknochen mit Oeffmmg desGelenks, jedoch ohne Brüche der Handwurzel, finden sich2mal (No. 8 und 9), der Speiche allein 5mal (No. 13 bis17), der Elle allein 4mal (No. 28 bis 31). In 7 Fällen istdie Bruchstelle wohl ausserhalb der Kapsel anzunehmen,und zwar trafen die Geschosse bei 6 Verwundeten mehrsenkrecht, bei 1 mehr spitzwinklig zur Längsachse desGliedes auf. 2 mal befand sich der Bruch dicht überder Handwurzel (No. 8 und 30), lmal im unteren Drittel(No. 13). Bei L. (No. 14) lief die Kugel von derStreckseite, 1 cm oberhalb des Gelenks, zur Beugeseite,um l' cm höher auszutreten, bei K. (No. 28) in der-selben Richtung, 3 cm vom Gelenk entfernt den Ausgangnehmend. Die höchste Durchbohrung fand V/i cm überdem Gelenk statt (No. 31). Mehr in der Längsrichtung desGliedes endlich verlief eine Kugel, die 7 cm nach obenvom Gelenk ein- und am Griffelfortsatz der Speiche austrat(No. 16). Die übrigen 4 Brüche (No. 9, 15, 17, 29) sind indas Gelenk selbst zu verlegen.

Die anderen Verletzungen der Unterarmknochen warenmit Brüchen der Handwurzel verbunden. Gestreift wurdenin solcher Weise beide Knochen 2 mal (No. 11, 12), dieSpeiche allein 7mal (No. 21 bis 27), die Elle allein 4mal(No. 41 bis 44); gebrochen Elle und Speiche zugleich lmal(No. 10), die Speiche allein 3mal (No. 18 bis 20), die Elleallein 10 mal (No. 32 bis 40). Bei Z. (No. 36) weist die bei derHeilung zurückgebliebene Verkrümmung des Unterarms nachder Ellenseite dicht über dem Gelenk auf den stattgehabten