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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
667
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Bandlll. Spez.Theil.

I. Abschnitt: Allgemeines über Gelenkwunden.

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Zuweilen ist es vorgekommen, dass mehrere Ge-lenke durch einen und denselben Schuss beschädigtwurden, und zwar entweder die gleichnamigen Gelenkebeider Körperseiten oder verschiedene Gelenke desselbenGliedes. Doppelverletzungen der ersteren Art sind 1870, 71an den oberen Gliedern nur einmal, und zwar an der Hand'),an den unteren Gliedern dagegen, welche beim Stehen naheaneinander gebracht werden, so dass eine von der Seitekommende Kugel beide zugleich durchbohren kann, mehr-mals gesehen worden 2 ). Bei gleichnamigen Rumpfgelenkenist Doppelverletzung durch eine Kugel bisher nur einmal,im Kriege 1864 beobachtet: Ein Geschoss drang durch dasSchultergelenk der einen Seite ein, verletzte beide Lungen-spitzen und trat durch das andere Schultergelenk heraus. 3 )

Verschiedene Gelenke desselben Gliedes, und zwardas Schulter- und Ellenbogengelenk, sind zweimal durchdasselbe Geschoss beschädigt worden. Bei L. 4 ) war dieKugel dicht neben dem Hakenfortsatz der Elle eingetreten

!) Siehe im V. Bande dieses Berichtes, S. 508, No. 2.

2 ) Siehe unter Verletzungen des Kniegelenks, ferner im V. Bandedieses Berichtes, S. 525, No. 5.

3 ) Vergl. v. Langenbeck, a. a. 0., S. 108.

') Siehe V. Band dieses Berichtes, S. 408, No. 72.

und an der Schulterhöhe stecken geblieben; der Gelenk-fortsatz des Schulterblatts und der Oberarmkopf musstenresezirt werden, während das Ellenbogengelenk in recht-winkliger Steifheit heilte. Bei v. R.') hatte zwar dasGeschoss selbst nicht beide Gelenke getroffen, sondernnur durch Splitterbruch des Oberarmschaftes einen Sprungbis zum oberen Ende der Knochen bewirkt, so dass dasSchultergelenk nach 4 Wochen, das in Folge der vor-dringenden Entzündung erkrankte Ellenbogengelenk nach2 Monaten der Resektion anheimfiel. An diese durch einund dasselbe Geschoss verursachten Vorkommnisse schliesstsich eine gleichartige Verletzung durch Granatsplitter, an-scheinend durch mehrere gleichzeitig auf treffende Spreng-stücke verursacht, an: Dem Franzosen A. 2 ) wurde dasSchulter- und Elleiibogengelenk ausgiebig zertrümmert, sodass die Aussägung beider Gelenke nothwendig ward.Uebrigens wurden alle drei eben erwähnten Verwundetengeheilt.

i) Siehe V. Band dieses Berichtes, S. 415, No. 110.

2 ) Mac Cormac, Notizen und Erinnerungen eines Ambulanz-chirurgen. Aus dem Englischen übersetzt und mit Bemerkungen ver-sehen von Dr. L. Stromeyer. Hannover 1871. S. 90.

TL Allgemeine Statistik der Gelenkwunden bei Deutschen 1870 71.

Im Nachstehenden wird über 4085 Wunden der grossenGelenke (in dem auf S. 660 erläuterten Sinne) bei Deutschenberichtet = 4.i g aller in ärztliche Behandlung gelangtenVerwundungen überhaupt = 5.6 £ aller Verletzungen derGliedmaassen. Dass diese Zahlen kleiner sind, als derFlächenausdehnung der Gelenkgegenden im Verhältniss zurKörperoberfläche und zur Gliedmaassenoberfläche entspricht,liegt mindestens zum Theil darin begründet, dass die Wundender die Gelenke umgebenden Weichtheile ohne nachweis-bare Kapselentzündung nicht den Gelenk Verletzungen bei-gerechnet sind (vergl. S. 661). 1 ) Wie die Zahl 4085 sichauf die einzelnen Gelenke und auf die Körperseiten ver-theilt, ist aus nachstehender Tabelle 1 (siehe nächste Seite)ersichtlich, welche zugleich über die Beziehungen zu denverletzenden Gewalten und die SterblichkeitsverhältnisseAuskunft giebt.

Hinsichtlich der Häufigkeit stehen danach die Ver-wundungen des Kniegelenks obenan, ihnen folgen der Reihenach diejenigen des Ellenbogen-, des Schulter-, des Fuss-,

J ) Ueberhaupt ergiebt sich aus dem Begriff der Gelenkwundenund den auf S. 660/61 dazu gegebenen Erläuterungen, dass der Naturder Sache nach die für Gelenk wunden ermittelten Zahlen nur aufannähernde Genauigkeit Anspruch erheben können.

des Hand-, des Hüftgelenks und zwar im Verhältniss wie11 1 /2:9:4 1 / 2 :4:3:1.

Von je hundert aller Gelenkverletzungen entfielen

auf das Kniegelenk . . .

. b4. 8

Ellenbogengelenk.

. 27.5

Schultergelenk. .

. 13.3

Fussgelenk . . .

. 12.,

Handgelenk. . .

. 8.7

Hüftgelenk . . .

. 3,o

Die Verwundbarkeit wird bedingt durch die Grösseder Trefffläche und die mehr oder minder freie Lage desGelenks. In beiden Beziehungen ist das Kniegelenk ammeisten gefährdet; den grössten natürlichen Schutz besitzendie Rumpfgelenke, da sie von einer Seite mehr oder we-niger gesichert sind.

Den Gewehrschusswunden sind alle Verletzungen bei-gezählt, bei denen nicht ausdrücklich grobe Geschosse bezw.deren Splitter als Verwundungsursache bezeichnet sind,ebenso die sehr vereinzelten Wunden durch Mitrailleusen-und Schrapnellkugeln, Rehposten (EllenbogengelenkNo. 7) und gehacktes Blei (Kniegelenk No. 6).

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