564 Drittes Buch. Drittes Capitel.
seinen Kummer über den preussischen Verfassungsconflict aus.In ibm stand er, obwohl er sich, wie er ausdrücklich be-merkt, „von jeder öffentlichen Theilnahme an dem Streit dereinander feindlich gegenüberstehenden Parteien fernhielt, ausinniger Ueberzeugung auf der Seite derer, welche nach einerredlichen Durchführung und folgerechten Entwickelung derbeschworenen Verfassung streben". Auch er fühlte sich dahervielfach verletzt durch das Verfahren der Regierung undder sie unterstützenden conservativen Partei. Als ihm 1864Heinrich Leo seinen Aufsatz: „Was ist conservativ?" über-sandte, dankte ihm Schulze für das „treffend gezeichnete Bildeines preussischen Conservativen"; „auch er sei sich bewusst",schrieb er, „überall auf preussische Zucht und Ordnung, dieSie mit Recht als die Grundpfeiler preussischer Freiheit be-zeichnen, gehalten zu haben. Ein solches Bestreben", fuhr erfort, „erschien mir stets und erscheint mir noch heute soeinfach und so naturgemäss, dass ich kein besonderes Ver-dienst darin erkennen und noch weniger mich denen bei-gesellen kann, welche sich vorzugsweise preussische Con-servative zu sein rühmen, während sie ohne wahrhaftige Tugendund ohne gediegene geistige Bildung engherzig nur ihreselbstischen Zwecke verfolgen und als befangene Parteigängerder nothwendigen freien Entwickelung des ächten königlichpreussischen Wesens abhold sind. Solchen preussischen Con-servativen, welche auf das preussische Bürgerthum mit Gering-schätzung herabsehen und sich als die einzig berechtigteStütze des Staats und des Königthums betrachten, gehe ichgern aus dem Wege, weil eine lange Erfahrung mich zurGeniige gelehrt hat, dass eine aussöhnende Verständigungmit ihnen völlig unmöglich ist. Ich finde solche destructiveConservative vorzugsweise im Heere und in den höherenBeamten, und ich kann den Wunsch nicht unterdrücken, dassSie, geliebter Freund, gelegentlich auch gegen diese falschenPreussen Ihr scharfes Schwert richten mögen."
Die inneren preussischen Wirren bekümmerten Schulzenicht zum wenigsten auch desshalb, weil er durch sie dempreussischen Staat die Erfüllung seiner Pflichten für Deutsch-land erschwert fand. Nie hat er sich in der Ueberzeugung