Zweites Capitel.Auf den Universitäten Halle und Leipzig.
Als Schulze die Universität Halle*) bezog, waren seitihrer Gründung 110 Jahre verflossen. Nachdrücklich hattehei ihrer Eröffnung Paul von Fuchs den Zusammenhangzwischen Wissenschaft und Lehen betont; so verschieden dieersten einflussreichen Lehrer der Friedrichs-Universität untereinander waren, sämmtlich haben sie diesen Zusammenhangzur Geltung zu bringen, ihren wissenschaftlichen Unterrichtunmittelbar für das Leben nutzbringend zu machen gesuchtund gewusst. Darin lag ihre Stärke und ihre Schwäche.Hierdurch nicht zum wenigsten hatte das „höllische Institut",wie der Hass der Leipziger Lutherischen Orthodoxen die Zu-fluchts- und Wirkungsstätte der von ihnen verfolgten Tho-masius und Francke benannte, den grössten Eiufluss auf diepolitische und kirchliche Entwicklung des preussischen Staats,das grösste Ansehen unter den deutschen Hochschulen imersten Drittel des 18. Jahrhunderts erlangt. Daher dientedie jüngste und hervorragendste unter den Universitäts-gründungen der Zollern als Vorbild auch bei der Errichtungder Georgia Augusta; treffend bezeichnet diese ihr HistorikerEmil Eössler als „ein Kind jenes Geistes der Neuerung,welcher von Halle über Deutschland ausging". Er ging vonHalle aus; aber unmöglich konnte er stehen bleiben bei den
*) Vgl. über Halle die Literatur, welche Justi, WinckelrnannI, 46 und Naseruann in den deutsch-evangelischen Blättern III (1878) 585verzeichnet haben. Es ist interessant die hier von Nasemann skizzirtenVerhältnisse der „Universität Halle um das Jahr 1800" mit den Zu-ständen derselben Universität in Winckelmanns und in SohleiermachersStudentenjahren zu vergleichen, wie sie Justi und Dilthey schildern.