Drittes Capitel.
Des Ministeriums Sorge für die Lehrkräfteund Einrichtungen der preussischen Universitäten.
In seinen Aufzeichnungen hebt Schulze selbst den Unter-schied seines Verhältnisses zu den Universitäten von dem zuden Gymnasien hervor. Liess ihm sein Minister bei Bearbei-tung der Gymnasial-Angelegenheiten fast freie Hand, sowidmete Altenstein , ; den Universitäten, wie Schulze sagt, einespecielle stetige Aufmerksamkeit, nahm von allen hieraufbezüglichen Berichten, Eingaben und Gesuchen genaue Kennt-niss, erwartete in der Regel über jede einzelne Sache münd-lichen Vortrag und gab auf Grund desselben seine Entscheidung.Vertraut mit seinen wissenschaftlichen, politischen und reli-giösen Ansichten berücksichtigte ich dieselben, soweit solchesnach meiner Ueberzeugung ohne Gefährdung und ohne Nach-theil für die Sache, um welche es sich handelte, thunlich war;ich hielt im verneinenden Falle in bescheidener Form meinenWiderspruch aufrecht, indem ich zugleich sein abweichendesUrtheil freimüthig erörterte, und konnte mich fast ohne Aus-nahme seiner endlichen Zustimmung zu den von mir gebil-deten Anträgen erfreuen". So wirkten Beide einmüthig auchin der Behandlung der Universitätsfragen zusammen; stärkeraber machte sich bei ihnen der Einfluss der persönlichenAnsichten des Ministers geltend. Und noch wichtiger war,dass Beide volles Verständniss für den Werth der freienStellung der Universitäten und für die Verschiedenheit ihrerAufgaben von denjenigen der Gymnasien besassen, dass sieForschungs- und Lehrfreiheit hochhielten, dass sie überallvon wissenschaftlichen Gesichtspunkten ausgingen und end-lich, was Schulze nicht am wenigsten seinem Minister nach-rühmt, dass sie ihre Grenzen kannten.