Sein Leben mit Freunden und mit seiner Familie. 563
33 Jahre lang zusammen gewohnt und viel Freud und Leiddurchlebt hatten, und siedelten in ein Haus der Matthäikirch-strasse (Nr. 2) über, dessen Lage in der Nähe des Thiergartensund dessen Einrichtung manche V ortheile bot. Doch fielSchulze, wie sein Sohn bemerkt*), der Entschluss schwer,von den alten Räumlichkeiten und dem Mittelpunkt der Stadtsich zu trennen, in dem er so lange gelebt hatte; dennehe er an den Kupfergraben zog, hatte er nicht fern davonin der Burgstrasse gewohnt, nachdem er zuerst am Dönhofs-platz sich eingemiethet hatte.
In einem Brief aus dem Jahr 1848 hat Schulze aus-drücklich hervorgehoben, wie erfreulich es für ihn sei, dasser und seine Söhne auch in ihrem Urtheil über die poli-tischen Fragen der Gegenwart übereinstimmten; so weniger irgendwie in Parteitreiben sich einliess, mit so lebhaftemInteresse verfolgte er doch auch in seinem hohen Alter alleWendungen im Leben des Staats seiner Wahl. Mit warmerTheilnahme beobachtete er natürlich besonders, wie dieBildungsanstalten, die so lange seiner Fürsorge anvertrautwaren, weiter geleitet wurden, obgleich nicht, wie derpolitische Correspondent der Preussischen Jahrbücher beiseinem Rücktritt angenommen hatte, auch nach diesem seinRath viel begehrt wurde. Er hatte keine näheren Beziehungenzu Raumers Nachfolgern und ihren Räthen; manche ihrerMassregeln fiössten ihm grosse Bedenken ein. So beklagteer die 1861 kurzer Hand verfügte Abänderung des Tentamenphilosophicum**) und nicht wenige Entscheidungen in Per-sonalfragen ; „in dem Ministerium Mühler, wie in dem Mini-sterium von Bethmann-Hollweg", schrieb er 1863 einmal anRitschi, „scheint man nur zu oft zu vergessen, dass wie über-haupt in der Welt so auch bei der Ernennung von Uni-versitätsprofessoren am Ende alles auf den Zusammenhangankommt." Und in demselben Briefe sprach er zugleich
*) In Aufzeichnungen über die Wohnungen seines Vaters, denendie obigen Notizen entnommen sind.
**) S. über und gegen sie auch J. B. Meyer in den PreussischenJahrbüchern VIII, 254 ff. und F. W. Beneke, Die praktische Medicinunserer Tage (Marburg 1863) S. 38 ff.
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