550 Drittes Buch. Zweites Capitel.
zweiten Schritt vor dem ersten gethan zu haben": er besassnicht „den stürmischen Werdedrang zu neuen noch nichtgereiften Schöpfungen", von dem Eichhorn wie sein Königin den Anfängen seiner Regierung beseelt war. In ihrerzweiten Hälfte griff auch dieser persönlich seltener in dieUnterrichtsverwaltung ein und störte dadurch weniger dieKreise der Geheimen Räthe, welche naturgemäss die alten Tra-ditionen und die aus der Kenntniss des Details hervorgehen-den Erwägungen vertraten. Auf sie Rücksicht zu nehmenwar Raumer von vornherein geneigt; durch seine Sorgfaltund seine Genauigkeit bei der Behandlung der Geschäfte,die Knappheit und Präcision seiner Verfügungen erleichterteer seinen Beamten die Arbeit; ausdrücklich hat Schulze dank-bar anerkannt, dass in Folge dessen ihm namentlich seineThätigkeit als Director der Unterrichtsabtheilung wenigerlästig geworden sei*). Mit einem solchen Vorgesetzten zu-sammen zu arbeiten war ihm trotz aller Differenzen, die sietrennten, eine Freude: er sah sich geachtet und die ihmwarm am Herzen liegenden Interessen vielfach gefördert.Unter Eichhorn war eine grosse Zahl ausserordentlicher Pro-fessoren namentlich in Berlin angestellt, deren Wirken nachSchulzes Urtheil weder der Universität noch der Wissen-schaft grossen Gewinn brachte. „Je länger, je mehr, schrieber 1852 an Göttling, komme ich zu der Ueberzeugung, dassfür das Gedeihen der Universitäten die Ernennung ausser-ordentlicher Professoren nur in höchst seltenen Fällen räth-lich und nothwendig ist. Ordentliche Professoren und nebenihnen Privatdocenten reichen aus; den letzteren kann man,
*) Drückend hatte er namentlich unter Ladenberg die Fülle vonGeschäften gefunden, welche das neue Amt ihm brachte; er war da-durch zu seinem Bedauern auch genöthigt, aus dem Vorstande derLüisenstiftung auszuscheiden, für die er und seine Frau sich lebhaftinteressirt hatten, da ihm keine Zeit mehr blieb, sie, wie er bishergethan, wöchentlich zu besuchen und sich persönlich über ihre Ver-hältnisse zu unterrichten; zu seiner Freude entschloss sich sein FreundKortüm, an seiner Stelle in den Vorstand einzutreten und führte eineschon von Schulze gewünschte Reform hinsichtlich des Religionsunter-richts durch; vgl. über seine Verdienste um die Stiftung die schonS. 411 citirte Gedenksehrift S. 90.