Druckschrift 
Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
Seite
531
Einzelbild herunterladen
 

Häusliche Leiden Seh.'s. Tod seiner Frau. 531

auch in dieser Krankheit seine Frau; aber noch in demselbenJahre wurde sie selbst viel durch gichtische Leiden geplagt,die alle Bemühungen ihres Sohns und eine Badekur nur zulindern, aber nicht zu heilen vermochten; am 4. Mai 1846ist sie sanft entschlafen.

Das letzte Gespräch, das sie mit ihrem Mann führte,bezog sich auf die Zukunft ihres Sohnes Ludwig Böhm.Auch dessen Erziehung hatten sie in völligem Einverständ-niss geleitet; mit inniger Freude hatte die Mutter beobachtet,wie die Entwicklung ihres Sohns, dessen ruhiges Wesen vonder lebhaften Art seines zweiten Vaters wesentlich verschiedenwar, von diesem mit immer steigender Befriedigung, ja Be-wunderung betrachtet wurde. Wie er ihn als Forscher, alsArzt und als Menschen schätzte, zeigen deutlich die Aeusse-rungen, zu denen er 1845 und Anfang 1846 Göttling gegen-über veranlasst wurde, da damals Böhm als Professor derChirurgie für Jena in Vorschlag gebracht war; Schulzewünschte, dass sein Sohn den Ruf annähme, weil er dortungestörter seiner Wissenschaft leben könnte; Böhm aberentschied sich anders und zwar, wie Schulze*) vermuthete,weilseine grosse Anhänglichkeit an seine Mutter und anmich ein bedeutendes, ja entscheidendes Gewicht in die Wag-schale gelegt haben, wovon er aber nach seiner schweigsamenWeise auch nicht die leiseste Andeutung gemacht hat, wohlwissend, dass ich ein solches Opfer von seiner Seite aufsentschiedenste würde abgelehnt haben". Dass Eichhorn dannden Antrag der Berliner medicinischen Facultät auf Beförde-rung Böhms wohlwollend berücksichtigte und ihn gerade anSchulzes Geburtstag auch zum Mitglied der wissenschaftlichenDeputation für das Medicinalwesen ernannte, wurde besondersdankbar von dem Vater empfunden. Grosse Freude ist ihmvielfach auch durch den einzigen eigenen Sohn bereitet, dernach dem Tod seines Karl ihm noch geblieben, der vierJahre nach diesem 1820 geboren und in Erinnerung an

*) In seinem Brief an Göttling vom 23. Januar 1846. Vgl. überBöhm namentlich den Aufsatz von Rudolf Köpke in dessen KleinenSchriften S. 819 ff. und A. Hirsch in der Allg. Deutschen Biographie III, 65.

34*