Angriffe auf classische Studien. 527
ein Institut, welches sie seit seiner Entstehung mit Liebegepflegt hatten, durch die ebenso unzeitige als ungerecht-fertigte Einmischung der Regierung seinem Untergang ent-gegengeführt worden". Er nennt unter den ihm gleich-gesinnten Mitgliedern der Redaction Marbeineke und Varnhagenvon Ense; ausdrücklich hat auch Letzterer hervorgehoben,wie brav sich Schulze bei der entscheidenden Sitzung derSocietät gehalten habe*).
Noch empfindlicher aber als durch dies Verfahren Eich-borns gegen die kritische Zeitschrift,- für die Schulze sichlebhaft interessirt hatte, fühlte er sich durch die vom Mini-sterium unterstützte Literarische Zeitung gekränkt. Hattesie in jenem oben erwähnten Artikel die classischen Philo-logen eines unchristlichen Geistes beschuldigt, so wurde imNovember 1845 von ihr direct das Altensteinsche Ministe-rium angegriffen und ihm vorgeworfen, es habe „durchauseine glaubens- und gemüthlose Verstandesbildung befördert.Die ganze gemüthliche Seite der Geistesbildung, hiess eshier, das religiöse Element des Unterrichts, zumal in denhöheren Lehranstalten, war vernachlässigt, einer massloseo.Willkür preisgegeben. Es war, als sollte es überall nur aufGeschäftstüchtigkeit und Wissenschaft ankommen; die Reli-gion beruht aber auf etwas Anderem, und so war sie etwasGleichgültiges, das nur noch aus Gewohnheit auf dem Katalogstand". Ein grosser Theil des Lehrstands, erörterte derArtikel weiter, habe den Unglauben selbst zum point d'hon-neur gemacht, erfahrene Männer hätten die „zunehmende Ver-ödung der Gemüther und die leere Verständigkeit, womitsich leicht ein materialistischer Sinn und gefühllose Selbst-sucht verbinden, mit Betrübniss wahrgenommen". Bei demWechsel des Throns und des geistlichen Ministeriums hättedesshalb eine principielle Aenderung eintreten, die Religionbesonders hervorgehoben werden müssen, dadurch seien Em-pfindlichkeiten erregt und Missvergnügte erzeugt, die in ihrenVorwürfen weder sparsam noch besonnen. Das sei sehr
*) In seinen Tagebüchern II, 153. Vgl. auch seine Denkwürdig-keiten VII, 554 ff.