520 Drittes Bück Erstes Capitel.
immer war dadurch in sehr förderlicher Weise das lebhafteInteresse des neuen Herrschers für die Pflege der Wissen-schaft in seiner Hauptstadt bethätigt. Ihr suchte er neuenGlanz auch durch Heranziehung berühmter Grössen derdeutschen Kunst und Literatur zu geben; lebhafte Freudeempfand Schulze darüber, dass für Berlin Rückert und dieBrüder Grimm gewonnen wurden, zu denen er schon inHanau in persönliche Beziehungen getreten war. Wohl wussteer zu würdigen, was es für Preussens Ansehen in der öffent-lichen Meinung und seine Bildungsanstalten bedeutete, dassan ihnen jetzt endlich eine neue Wirkungsstätte einigen derhervorragenden Gelehrten geboten wurde, die 1837 durch denGewaltstreich Ernst Augusts von Hannover ihrer GöttingerStellung beraubt waren und die gern schon unter FriedrichWilhelm III. Schulze nach Preussen gezogen hätte. Be-sonders werthvoll musste ihm die Berufung des Führers derGöttinger Sieben, die Berufung Dahlmanns nach Bonn er-scheinen, da er bereits 1821 nach seinem Besuch in Kielseinen Minister nachdrücklich auf diesen „ausgezeichnetenDocenten von einer anziehenden Persönlichkeit" hingewiesenhatte, der „ohne Zweifel einer jeden Universität zur Zierdegereichen würde". Mit nicht geringer Genugthuung musste esihn erfüllen nach allen Leiden, welche die Demagogenverfol-gung auch ihm gebracht hatte, dass ein schlimmes durch sieverschuldetes Unrecht der König schon früher zu sühnensich bestrebt, dass er Arndt in seine Thätigkeit wieder ein-gesetzt hatte und dass ebenso von ihm auch die gegen Jahnerlassene polizeiliche Einschränkung aufgehoben wurde.
Diese „Acte eines edlen königlichen Herzens" erregtenlebhafte Freude bei allen warm für das Vaterland empfinden-den Deutschen, wie weit auch sonst ihre Anschauungen aus-einandergehen mochten; sehr verschiedene Aufnahme aberfanden begreiflicher Weise andre gleichzeitige Handlungendes Königs. Unter den Berufungen, die er bald nach seinemRegierungsantritt vornahm, beklagte Schulze besonders dievon Stahl und von Schelling. Gegen den Letzteren hatte 1834das Ministerium Altenstein sich erklärt, weil er seit 1809keinen öffentlichen überzeugenden Beweis seines Wissenschaft-