Friedrich Wilhelms IV. Charakter und Anfänge. 519
wisserei, der Selbstvergötterung und des Unglaubens einzu-stimmen. Es war vorauszusehen, dass er weniger als sein Vaterauf den Rath seiner Beamten hören, mehr als dieser stossweisein den Gang der Verwaltung eingreifen und dabei Persön-lichkeiten begünstigen und Massregeln treffen werde, gegendie Schulze ernste Bedenken hegen musste. Noch mehr alser erwartete, fand dieser bald die Berechtigung solcher Be-sorgnisse während der Regierung Friedrich Wilhelms IV.bestätigt.
Freilich fehlte es in ihren Anfängen nicht an Entschei-dungen des Königs, die auch Schulze freudig begrüsste: er-füllten sie doch Wünsche, die er längst gehegt hatte. War1819 der von ihm ausgearbeitete Plan einer Einfügung vonTurnübungen in das System des Unterrichts- und Erziehungs-wesens durch Friedrich Wilhelm III. abgelehnt und 1837 nurvorsichtig die Wiederaufnahme von Leibesübungen an denGymnasien gestattet, so erlebte er nun die Genugthuung, dassnach einem wieder von ihm verfassten Immediatbericht seinesund der Minister des Kriegs und des Inneren der König dieschon 23 Jahre zuvor von ihm vertretenen Grundsätze durcheine Cabinetsordre vom 6. Juni 1842 billigte. Ausdrücklichwurde in ihr die Gymnastik als ein nothwendiger und un-entbehrlicher Bestandtheil der männlichen Erziehung förm-lich anerkannt und befohlen, an den öffentlichen Lehranstaltenunter Aufsicht ihrer Directoren körperliche Uebungen in ge-höriger Vollständigkeit, aber mit der durch den Zweck be-dingten Einfachheit einzurichten*). Auch der von Schulzeentworfene Bericht für die Erhöhung des Etats der BerlinerUniversität blieb jetzt nicht ohne Wirkung; allerdings wurdenicht die ganze von ihm beantragte Summe, vielmehr wurdenstatt 30 000 nur 20000 Thaler bewilligt-, auch sollten sienicht nur, wie er gewünscht, zu Besoldungen der Lehrer,sondern auch für die Institute der Universität verwandt werden;
*) S. "Wiese, Schulwesen I, 32 und die späteren Verfügungen hin-sichtlich des Turnunterrichts bei Rönne, UnterrichtsweBen I, 706 ff.Die Cabinetsordre vom 6. Juni 1842 veranlasste Trendelenburg zuseinem Aufsatz über das Turnen und die deutsche Volkserziehung, derin seinen Kleinen Schriften II, 112 ff. abgedruckt ist.