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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
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493
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Berücksichtigung der Individualität. 493

Freude" hat Schulze noch lange nach Altensteins Tod derletzten vertraulichen Unterhaltung mit ihm gedacht*), in dersein Minister ihn mit Thränen in den Augen umarmte undsagte: „Wie hätte ich das leisten können, wenn ich Sie nichtgehabt?" Und Nicolovius selbst war nicht zweifelhaft dar-über, dass sehr vortheilhaft Schulzes lebhafte Art wirkenkönne; als er 1820 einmal dem Minister über einen Mannberichtete, den er genauer hatte erforschen sollen, bemerkteer: „Auch habe ich einen Besuch bei Herrn Geh. Rath Schulzeveranlasst, der durch seine Lebendigkeit im Reden und Fragengewiss mehr hervorziehen wird, als Herrn Süvern und mirbei unserer Eigenthümlichkeit gelingen möchte". Für denBeruf, an dem, wie Schulze selbst aussprach, „sein Herz mitall seinen Lebensfäden hing", waren unfraglich die Vorzügeseines lebhaften Naturells viel erheblicher als die Unannehm-lichkeiten, die zuweilen seine damit zusammenhängendenkleinen Schwächen veranlassen konnten. Er dachte, wieRudolf Köpke betont, nicht daran, „diese zu verdecken; anderszu scheinen als er war, achtete er tief unter sich. Freilichglich seine Rede mitunter einem schwellenden Bergstrom,der mancherlei mit sich führt; gern schien er zu Donner undBlitz zu greifen, aber ein ruhiges zur Sache treffendes Wortkonnte ihn tief bewegen, dann trat, wie nach Unwettern dieSonne, sein reines Wohlwollen, die Zartheit und unzerstör-bare Güte seines Wesens nur um so mehr zu Tage".

Eine Persönlichkeit dieser Art war in seltenem Massegeeignet, wie für die Gymnasien so auch für die UniversitätenPreussens hervorragende Lehrer zu gewinnen, und noch mehrals bei jenen glaubte bei diesen Schulze hierauf das Haupt-gewicht legen zu müssen; aber zugleich hielt er sich ver-pflichtet, für Einrichtungen zu sorgen, welche die Wirksam-keit der berufenen Professoren möglichst nutzbar für dieJugend machten. Durch diesen Gesichtspunkt Hess er sichauch bei Ausarbeitung der Verordnungen über die Reifeprü-fung der Abiturienten von den Gymnasien leiten; freute esauch ihn, wenn wissenschaftlich interessirte Ausländer durch

*) In einem Brief an Göttling vom 28. Juni 1858.