478 Zweites Buch. Drittes Capitel.
Ausführungen seines Berichtes über diesen durch unmittelbardarauf eingesandte „Betrachtungen über den Zustand derevangelischen Kirche in dem preussischen Staat in Beziehungauf Rechtgläubigkeit der Geistlichen und vorzüglich überdie wegen der Bildung dieser Geistlichen auf den Univer-sitäten angeregten Bedenklichkeiten"*). Manches in ihnenerinnert an die Ausführungen, durch die Altenstein die vonden Demagogenjägern geforderten Massregeln abzuwehrensuchte, so wenn er auch hier hervorhob, wie wichtig es sei,ehe man sich zu einem Einschreiten entschliesse, genau fest-zustellen, was von dem als Grund der Besorgnisse Ange-führten thatsächlich erwiesen sei und welche Massregeln da-durch gerechtfertigt würden; „nicht leicht, bemerkte er, istüberhaupt etwas gefährlicher, als sich mit Mitteln gegenUebel zu beschäftigen, welche in ihrem Gruud und Umfangnicht gehörig untersucht sind, da sehr leicht dadurch einblosses Gespenst oder wenigstens eine ganz unrichtige Ge-staltung verfolgt und dabei das wahre Uebel übersehen oderein ganz neues erst durch dessen Voraussetzung geschaffenwird". Ganz vorzüglich gefährlich erschien ihm aber diesesHerumgreifen nach Mitteln gegen noch nicht gehörig festge-stellte Uebel in Religionssachen und ganz besonders wichtig,bei ihnen an dem betonten Grundsatz festzuhalten, wenn eswahrscheinlich werde, „dass eine Partei durch keckes Beschul-digen die Aufmerksamkeit von der genauen Erörterung dieser
*) Diese vom König mit bezeichnenden Kandbemerkungen ver-sehene Denkschrift AltensteinB vom 10. August 1830 findet sich unterseinen Papieren im Geheimen Staatsarchiv, wo auch die von FriedrichWilhelm III. eigenhändig corrigirten Originale seiner Cabinetsordres vom23. Sept. 1830 aufbewahrt werden. Diese Archivalien sind Bachmannnicht bekannt geworden, der unter Benutzung der wichtigsten von ihmtheilweise abgedruckten Akten des Ministeriums im zweiten Bande seinesBuches über Hengstenberg eine dessen Standpunkt vertretende sehrausführliche Darstellung des Hallischen Streits geliefert und hier auchdie ältere Literatur über ihn verzeichnet hat. Von neueren Schriftens. namentlich Witte, Leben Tholucks II, 174 ff.; Benecke, VatkeS. 82 f.; Harnack in seiner Rede auf Neander im Februarheft desJhgs. 1889 der Preussischen Jahrbücher LX1II, 194 f. und Heinrici,Twesten 419 f.