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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
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420
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420 Zweites Buch. Zweites üapitel.

in Magdeburg, wo das Provinzialschulcolleg sich um Aus-kunft an die Militärbehörden gewandt hatte, war ermittelt,dass in den letzten 5 Jahren von den untersuchten jungenStudirenden fast die Hälfte, von den nicht durch ein Gym-nasium gegangenen Handels- und Kunstbefiissenen dagegennur weniger als ein Drittel als sofort einstellungsfähig be-zeichnet war, und ähnlich günstige Ergebnisse eines Ver-gleichs der Gesundheit der Gymnasiasten mit anderen Jüng-lingen von verwandten Lebensverhältnissen wurden aus an-deren Provinzen gemeldet. Kränklichkeit war nach diesenBerichten nicht, wie Lorinser behauptete, vorwiegend oft beiden fieissigsten, sondern viel mehr bei solchen Schülern zubemerken, die entweder nach ihrer körperlichen oder geistigenConstitution zum Besuch des Gymnasiums überhaupt nichtgeeignet oder auf die ungünstige Einflüsse ausserhalb derSchule geübt waren; ausführlich entwickelte namentlich dasMünsterische Provinzialschulcolleg, wie manche auch nach sei-ner Auffassung bei der Jugend jetzt zu Tage tretenden Uebel-stände aus der in den letzten Jahrzehnten eingetretenenVeränderung in der häuslichen Erziehung und des Verhält-nisses der Jugend zu den Eltern und der Gesellschaft erklärtwerden müssten. Diese und andere Erörterungen erfahrenerPädagogen, welche Lorinsers Einseitigkeit und Befangenheithervorhoben, beschränkten sich keineswegs darauf seine Be-hauptungen zurückzuweisen; verschiedenartige Reformen wur-den von ihnen vorgeschlagen zur Abstellung auch von ihnenanerkannter Mängel: namentlich wurden die Einführung gym-nastischer Uebungen, eine bessere pädagogische Vorbereitungder Gymnasiallehrer und Vereinfachung des Unterrichts durchBeschränkung oder Streichung einzelner Disciplinen, so be-sonders der philosophischen Propädeutik empfohlen. ImWesentlichen aber wünschten die berufenen Berichterstatterden bestehenden Organismus der Gymnasien erhalten undnamentlich dem Studium der classischen Sprachen seine her-vorragende Stellung auf ihnen gewahrt zu sehen; auch hieltensie die von Lorinser besondere nachdrücklich geforderte Ver-minderung der an den meisten Gymnasien üblichen Stunden-zahl weder für nöthig noch für räthlich.