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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
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418 Zweites Buch. Zweites Gapitel.

und durch das Dritte wird vorgebeugt, dass diese beidenWirkungen nicht ausserhalb der Schule wieder aufgehobenwerden." Die Zahl der Unterrichtsstunden in den Gymnasien,behauptete Lorinser, sei in den letzten Jahrzehnten fast ver-doppelt; nach den Programmen von 50—60 Gymnasien, dieer eingesehen, müssten die meisten Schüler im Durchschnittwöchentlich 32—42 Stunden auf den Bänken sitzen; von diesenentlassen habe der Fleissige kaum so viel Zeit, um den anihn gemachten Forderungen in Hinsicht der häuslichen Auf-gaben zu genügen und öfters könne man bemerken, dassgerade die Fleissigsten auch die Kränklichsten seien. Immermehr werde der Schüler der Natur und selbst der Familieentfremdet; durch fortwährend eingeflösstes und unverdautesWissen werde der Geist nicht bereichert, sondern gelähmt.DieUebertreibung der geistigen Cultur verfehle so ihren Zweckund unterwerfe zugleich den Körper einem unnatürlichenZwang, verhindere die Entwickelung der physischen Kräfte,beeinträchtige den Kreislauf und die Beschaffenheit der Säfteund schädige die Organe des Unterleibs, die Brust und dieAugen. Alle Verordnungen, die getroffen seien, um solchenUebeln zu begegnen, würden nicht wesentlich helfen können,so lange das Sitzen nicht abgekürzt und die Menge derUnterrichtsgegenstände, der Lehrstunden und häuslichen Ar-beiten nicht erheblich vermindert sei.

Den verschiedenen Gegnern des herrschenden Unterrichts-systems boten diese Bemerkungen eines Arztes eine willkom-mene Unterstützung. Vorgetragen in dem Organ des Vereinsfür Heilkunde in Preussen von einem seiner ordentlichenMitglieder machten sie Eindruck auf das für solche Klagenin alten und neuen Tagen besonders empfängliche Publicumund auch auf König Friedrich Wilhelm III. „Auf Veranlas-sung des Fürsten Radziwill" las er, wie Lorinser erzähltwurde, dessen Aufsatz; er richtete darauf eine Cabinets-ordre an Altenstein, in welcher er sich in der Hauptsachemit dem Inhalt des Aufsatzes einverstanden erklärte, denGegenstand der besonderen Aufmerksamkeit des Ministersempfahl und ihn aufforderte, seine Ansicht in einem Berichtedarzulegen und Vorschläge zu machen, wie dem Uebelstande