368 Zweites Buch. Zweites Capitel.
in das Griechische nicht weiter zu führen, als es für denZweck der Gymnasien räthlich; durch sie sollten die Schülernicht zu einem griechischen Stil im Schreiben ausgebildet,sondern nur in der Anwendung der erlernten grammatischenRegeln befestigt werden; Uebertreibungen könnten der har-monischen von den Gymnasien zu verfolgenden allgemeinenAusbildung der Jugend nur nachtheilig sein.
In Anknüpfung an diese Circular-Verfügung des Ministe-riums richtete das Posener Provinzialschulcolleg im Januar1829 an die Directoren der ihm unterstellten Gymnasieneinen Erlass, der in glei her Richtung noch ausführlicherdie Behandlung verschiedener Lehrgegenstände und nament-lich den Unterricht im Deutschen und im Griechischen be-sprach. Nachdrücklich wurden die Lehrer hier davor ge-warnt, sich in lange Vorträge über einzelne schwierige undstreitige philologische Fragen, in ausführliche kritische Unter-suchungen schwerer und verdorbener Stellen und andererGegenstände einzulassen, welche ihrer Natur nach der Schulefremd und der Universität vorzubehalten seien. Denn dadurchwürde „die Mehrzahl der Schüler von der Beschäftigung mitder Sprache zurückgeschreckt, von welcher sie beinahe nichtskennen lernen als endlose Schwierigkeiten, und in ihnen dieIdee einer Unzugänglichkeit des Alterthums erweckt, welchezu überwinden sie um so weniger Hoffnung und Neigunggewinnen können, als sie von der anziehenden Eigenthüm-lichkeit und der Schönheit desselben keinen Begriff erhalten".Wegen der „vielen wahren und treffenden Bemerkungen" dieserVerfügung veranlasste Schulze, dass sie auch den anderenProvinzialschulcollegien zur Kenntnissnahme und Beachtungmitgetheilt wurde; in ihrem Sinn bemühte er sich auchsonst, die Leiter der Schulen an die ihnen gesteckten Zieleund die zu ihrer Erreichung dienlichen Mittel zu erinnern,sie zu ermahnen, unablässig zugleich ihrer hohen Aufgabenund der Kräfte ihrer Schüler eingedenk zu sein. Wohl er-achtete er es „für nothwendig, dass den die Gymnasien be-suchenden jungen Leuten, welche sich den gelehrten Studienund demnächst einem Berufe widmen wollen, welcher Uni-versitäts - Studien erfordert, ihr Vorhaben nicht zu leicht