ßesoript von 1828 über Unterricht im Griechischen. 367
zum Theil eine Bekanntschaft mit der speculativen Idee vor-aussetzenden Dialoge Piatos zur ununterbrochenen und fastausschliesslichen Leetüre der ersten Klasse gewählt; andereDirectoren waren noch weiter gegangen und hatten zurstehenden Leetüre in dieser Klasse sogar den Pindar, Aristo-phanes und Aeschylus gemacht, dagegen das Lesen der Ho-merischen Gesänge und der Schriften Xenophons schon mitder zweiten, ja bisweilen schon mit der dritten Classe ab-geschlossen". Gegen dies Verfahren sprach sich nun dasMinisterium aus; solle auch ein Zeugniss unbedingter Tüch-tigkeit nach der Instruction von 1812 nur den Abiturientenertheilt werden, welche die attische Prosa und den leichterenDialog von Sophokles und Euripides ohne Präparation ver-stehen und einen nicht kritisch schwierigen tragischen Chorerklären könnten, so folge daraus nicht, dass fortwährendund ausschliesslich in der ersten Klasse Schriftsteller, die inHinsicht auf Inhalt und Form so vollendet, aber auch soschwierig als Aristophanes, Aeschylus und Plato in seinengrösseren Dialogen gelesen würden. Bei der Wahl der Leetüresei auf die Mehrzahl der Schüler Rücksicht zu nehmen, dievoraussichtlich nur ein Zeugniss zweiten Grades erlangten;auch diese müssten auf den Gymnasien zu der Fertigkeitgebracht werden, einen leichteren griechischen Schriftstellerwie Homer oder Xenophon ohne Anstoss verstehen und fürsich lesen zu können, und dies sei nicht zu erreichen, wennihnen zu früh die ausschliessliche Leetüre solcher Schrift-steller zugemuthet würde, deren Verständniss mannigfacheSchwierigkeiten entgegenständen. Das Ministerium ordnetedaher an, es sollten in den Gymnasien Aristophanes,Pindar, Aeschylus und die schwereren Dialoge des Platonicht mehr zur Leetüre gewählt und auch zu der des So-phokles, des Euripides und der leichteren Platonischen Dia-loge erst dann fortgeschritten werden, wenn die Mehrzahlder Schüler es schon zu einem geläufigen Verstehen Homersund Xenophons gebracht hätte; nur Schülern, die im Ver-ständniss des Letztern schon eine ausgezeichnete Fertigkeitbesässen, sei auch eine Leetüre des Thucydides zu gestatten.Ebenso seien Uebungen zu Uebersetzungen aus dem Deutschen