Forderungen in der Mathematik. 361
In diesem Lehrplan Süverns ist die gleiche gediegeneidealistische Gesinnung ausgeprägt, von welcher sein Vor-schlag eines Unterrichtsgesetzes eingegeben ist; er verdientbesondere Beachtung wegen der Schärfe, mit welcher hierdie hohen Ziele des Gymnasialunterrichts bezeichnet sind.Aber eben deshalb war es schwierig, den hier verkündetenGrundsätzen Geltung nicht nur auf dem Papier, sondern imLeben der Schulen zu verschaffen. Wollte Schulze die ihmzufallende Aufgabe lösen, praktisch wenigstens die wichtigstenGedanken, in denen er mit Süvern einverstanden war, durch-zuführen, so erschienen hierfür wirksamer als die Publicationeiner zunächst unausführbaren allgemeinen Lehrordnung ein-zelne Verfügungen, bei deuen die thatsächlichen Verhältnissemehr berücksichtigt wurden, als in diesem idealistischen Pro-gramm geschehen war. Auch in ihm war ausdrücklich hin-sichtlich der Abiturientenprüfung auf die Instruction von1812 verwiesen, obgleich die in ihr aufgestellten Forderungenin der Mathematik weit hinter den Vorschriften des Lehr-plans für diesen Unterrichtsgegenstand zurückblieben. Vondessen hoher Bedeutung war, wie seine früher mitgetheiltenVorschläge für das Hanauer und das Coblenzer Gymnasiumbeweisen, auch Schulze durchdrungen; er war voll Ver-ständniss für die Auschauung, die kurz zuvor Bernhardi ineinem Schulprogramm von 1815 besonders klar begründethatte, wie glücklich Mathematik und Sprachen gegenseitigsich ergänzten*); aber mochte es an und für sich geradeauch nach dessen Ausführungen fraglich erscheinen, ob fürdie auf dem Gymnasium zu fördernden Bildungszwecke esuöthig, ja auch nur wünschenswerth sei, in solchem Umfangwie Süverns Lehrplan vorschlug, auf der Schule Mathematik
*) Auch dies Programm Bernhardis ist in dem Buche wieder ab-gedruckt, das er 1818 u. d. T.: Ansichten über die Organisation dergelehrten Schulen in Jena bei Prommann veröffentlicht und Altensteinund dessen Eäthen gewidmet hat. Seine Uebereinstimmung mit SüvernsGrundgedanken zeigt sich besonders klar bei einem Vergleich der Be-merkungen Beider gegen die sogenannten Verstandesübungon und denUnterricht in Technologie, philosophischen und naturgeschichtlichenDisciplinen auf den Schulen; s. darüber Bernhardi S. 253 ff.