352 Zweites Buch. Zweites Capitel.
von Hoffmann*), die Erfahrung lehre, dass beständig vielejunge Leute die Universitäten bezögen, welche so unwissendseien, dass ihre Unwissenheit bald Mitleiden und bald Wider-willen errege; natürlich könnten sie, da sie keinen Grundgelegt hätten, auf keinen Grund bauen; so würden sieam Ende sich und dem Staat lästig und letzterem, wenn sieeine Versorgung fänden, sogar nachtheilig. Um diesem Uebelzu begegnen, schlug er vor, auf jeder Universität eine Prü-fungscommission einzusetzen, welche alle neu ankommendenLandeskinder öffentlich zu prüfen, die in den Vorkenntnissenallzu Unwissenden zur Schule oder zu ihren Eltern zurück-zuweisen und über das Ergebniss der Prüfungen zu berichtenhätte. Zedlitz, der schon früher über die Einführung einerReifeprüfung mit Meierotto verhandelt hatte und eine solcheebenso wünschte als der ihm seit Alters befreundete HallerKanzler, forderte nun Gutachten über dessen Vorschlagvon den Universitäten und einigen hervorragenden Pädagogen.Auch von ihnen wurde es allgemein als ein Bedürfniss an-erkannt, dass vor Beginn der Universitätsstudien die genügendeVorbereitung für sie festgestellt werde; aber von den meistenStimmen wurde auch auf die Schwierigkeiten und Bedenkenhingewiesen, die gegen die Ablegung eines solchen Examensauf der Universität sprächen. Daraufhin entschied sich dasOberschulcolleg für den Erlass eines Edicts, nach dem „hin-fort alle von öffentlichen Schulen abgehenden Jünglinge schonvorher auf der von ihnen besuchten Schule geprüft werdenund ein detaillirtes Zeugniss über ihre bei der Prüfung be-fundene Reife oder Unreife erhalten sollten, welches siedemnächst bei ihrer Inscription auf der Universität zu pro-duciren" hätten.
Für die Universitätsstudien und zugleich für die auf sievorbereitenden Schulen war die so erfolgte Einführung desAbiturientenexamens von grösster Bedeutung; nicht sofortaber Hess die neue Massregel sich mit aller Strenge durch-führen. Durch das Edict selbst wurde die Prüfung derjenigenjungen Leute, die nicht auf öffentlichen Gelehrtenschulen,
*) S. über ihn Keils Rectoratsrede, die als Beilage zur Chronik derUniversität Halle für das Jahr 1882 S. 17—32 veröffentlicht ist.