Personalveränderungen im Ministerium. 343
liehen Verfügungen*). Jubelnd schrieb Metternich am 12. Junian Gentz: „Hatzfeld hat in Berlin ganz gräulich aufgeräumt.Münch nennt ihn den moralischen Herkules. Dort ist diePartei am Leben angepackt worden. Man hat eine vorüber-gehende Unpässlichkeit des Herrn von Altenstein benützt,um sein ganzes Departement zu verändern. Bernstorff fühltsich tief gekränkt und Wittgenstein zittert ob des zu Guten.Der König scheint mir wie eki Mann gehandelt zu haben,der nur eine Veranlassung erwartete, um mit Keulen drein-zuschlagen"**).
Deutlich lassen diese Worte die Oberflächlichkeit derKenntnisse und des Urtheils des österreichischen Diplomatenhinsichtlich der preussischen und deutschen Verhältnisse er-kennen, die nach seiner beschränkten Auffassung zu gestaltener sich mit allen Kräften bestrebte. Bei der Freude überden Triumph seiner Helfershelfer unterschätzte er nicht nurdie Gefahren, welche seiner Politik aus der in solcher Weiseprovocirten Missstimmung preussischer Staatsmänner erwachsenniussten***); er täuschte sich auch wie einst Napoleon, wenn
*) Die erste der genannten Cabinetsordres ist in der Gesetz-Samm-lung für 1824 n. 11 S. 122, die zweite nebst den zu ihrer Ausführungbestimmten ministeriellen. Verfügungen in den von Kamptz heraus-gegebenen Annalen der preussischen Verwaltung VIII (1824), 419 ff.veröffentlicht. Den Wortlaut aller dieser Verordnungen s. auch beiKoch, Die preussischen Universitäten II, 119 ff., 478 ff., 531 ff., Auszügeaus ihnen bei Rönne, Unterrichts wesen II, 535 ff., 572 ff. Statt des Jahres1824 ist fälschlich in der Geschichte der Familie von Kamptz S. 95 1822und in der dankenswerthen Uebersicht der Veränderungen in der oberstenVerwaltung des Staates unter Friedrich Wilhelm III., die G. W. v. Raumerals Handschrift drucken Hess, S. 42 1821 als das Jahr bezeichnet, inwelchem Kamptz zum ersten Director der Unterrichtsabtheilung ernanntwurde, und durch letztere Angabe wohl auch Treitschke in der Deut-schen Geschichte III, 418 zu einem Irrthum bei der Darstellungdieser Verhältnisse veranlasst, deren Gesamrntbeurtheilung bei ihm imWesentlichen durch die oben nach den Akten des Geheimen Staats-archivs gegebene Schilderung bestätigt wird. Ueber die Auffassungder damaligen Personalveränderungen durch das Berliner Publikum s.Varnhagens Blätter aus der preussischen Geschichte III, 79 ff.
**) Aus Metternichs Papieren IV, 99.
***) Neben den schon von Treitschke verwertheten Zeugnissenfür die durch Metternich und seine Helfer hervorgerufene Missstim-