Neue Verfolgungen 1822 und 1823. 339
dass mit in Folge ihrer aufreizenden und erbitternden Unter-nehmungen jetzt wirklich in einzelnen Studentenkreisen Ver-schwörungsgedanken weiter verbreitet, bei politisch interessirtenJünglingen die christlich-germanischen Schwärmereien durchromanische revolutionäre Phantasien zurückgedrängt wurden;„da man so viele deutsche Feuer ausgelöscht, die wohl ge-pflegt nur geleuchtet und nicht gebrannt haben würden,konnte man, wie Arndt später schrieb*), sich nicht wundern,dass so manche mit wälschen Irrwischgaukeleien sich fort-spielen Hessen".
Bestätigten so die Folgen der Politik des Misstrauensnur allzusehr Altensteins trübe Voraussagungen, so erfüllteam Ende sich doch seine Hoffnung, dass die Feinde seinerVerwaltung und der Freiheit deutscher Wissenschaft dieletzten Zwecke ihrer Angriffe nicht erreichten. Schwer hatFriedrich Wilhelm III. seinen und seines Staates Ruf durchdie Massregeln geschädigt, zu denen er sich gegen den ßathseiner sachkundigen Beamten durch die Vorstellungen Metter-nichs und seiner preussischen Helfershelfer bestimmen Hess;noch weniger aber als einst in Wöllners Tagen war jetztdurch solche Mittel der Fortschritt des deutschen Geisteslebenszu hindern, dessen verständnissvolle Förderung das preussischeUnterrichtsministerium mitten in allen Wirren mit Eifer undErfolg betrieb. Seine Feinde verwickelten sich dagegen inWidersprüche und Gegensätze unter einander; schliesslichsah der hitzigste Stürmer sich von den eigenen Genossenverlassen.
Ueber die Ausführung der Verfügung, welche der Könighinsichtlich der Studentenverbindungen 1822 getroffen hatte,war es zu neuen Kämpfen zwischen Schultz und Altensteingekommen; sie verschärften sich noch, als 1823 die Ent-
für die damalige Wandlung der Stimmung in andern Studentenkreisenhat mit Recht schon Treitschke (Deutsche Geschichte III, 441) nament-lich die Mittheilungen von Karl von Raumer (in seiner Geschichte derPädagogik IV, 132ff. und in seiner Autobiographie 291ff.) und von ArnoldRüge (Aus früherer Zeit II, 166 ff.) hervorgehoben.
*) In seinem Briefe an Karoline Hegewisch vom 5. Januar 1838in den Preussischen Jahrbüchern LVI, 399.