332 Zweites Buch. Erstes Capitel.
Er war entschlossen, rücksichtslos den Geist der Urntriebe zudämpfen und einen jeden zu bestrafen, von dessen Verschul-dung in dieser Richtung er sich überzeugt hatte; aber erwollte auch jetzt nicht übereilt und ungerecht verfahren.Ein Zeugniss dieser Gesinnung fand Schulze in des KönigsVerhalten gegen seinen Freund Passow. Von den Führernder Feinde des Turnens in Schlesien war letzterer wegeneines Aufsatzes, in dem er sie persönlich angegriffen hatte,in einen Injurienprocess verwickelt und vom Gericht zu acht-wöchentlicher Haft verurtheilt, und der König hatte, trotzdemPassows Gesuch um Verwandlung der Gefängniss- in eineGeldstrafe nicht nur von seinen Collegen, sondern auch vonAltenstein und dem Justizminister befürwortet war, daraufbestanden, dass das Urtheil genau vollstreckt werde. DerBreslauer Regierungsbevollmächtigte brachte daraufhin Pas-sows Versetzung in Anregung und auch im Ministerium be-rieth man über eine solche; Schulze versicherte seinem Freunde,dass Altenstein dabei so sehr als möglich dessen Interessenwahren werde; er war natürlich sehr erfreut, als er in seinemnächsten Briefe Passow melden konnte, der König habegegen Passows Versetzung entschieden; er habe erklärt, dieserhabe die über ihn verhängte Strafe erlitten und er könnenicht zugeben, dass ihm etwas Unangenehmes noch über jeneStrafe hinaus widerfahre. So blieb Passow in Breslau biszu seinem Tode, da auch später der nochmals auftauchendeGedanke einer Versetzung von ihm nicht zur Ausführungkam. Gleichen Ausgang hatten ähnliche Verhandlungen, diedamals mit seinen Freunden Gass und Harnisch geführtwurden: letzterer folgte erst später unter anderen Verhält-nissen einem Rufe in die Provinz Sachsen; ersterer wirktedauernd weiter in der schlesischen Hauptstadt, da er auf denauch ihm gemachten Vorschlag, sich versetzen zu lassen,nicht einging*).
*) Ausser Schulzes Briefen an Passow vom 4. und 30. Januarund vom 18. April 1821 benutzte ich für die eben kurz geschilderteAngelegenheit Passows auch die Akten des Cultusministeriums und dieMittheilungen in Passows Leben und Briefen 212. 264 ff. 352. UeberGass vergl. seinen Briefwechsel mit Schleiermacher S. 183. 200 und