324 Zweites Buch. Erstes Capitel.
war, und zu dem ihnen vorgesetzten Ministerium. Durchwegin Uebereinstiininung mit diesem hat der Regierungsbevoll-mäehtigte in Bonn, Philipp Joseph von Rehfues, nach demZeugniss eines „mit den Verhältnissen der rheinischen Hoch-schule von ihren Anfängen an durchaus vertrauten, intel-ligenten und höchst wahrheitsliebenden Mannes", des lang-jährigen Vorstandes der Kuratorialkanzlei W. Thiel, „die inseine Hand gelegte ausserordentliche Gewalt der Ueberwa-chung der Studirenden und Professoren mit so viel Klugheitund so grosser Mässigung geübt, dass es seinen wohlwollendenBestrebungen gelang den Druck einer auf das Misstrauengegründeten Gesetzgebung, unter welchem die deutschen Uni-versitäten seufzten, soweit es die Umstände gestatteten, mög-lichst zu mildern und weniger fühlbar zu machen"; als muster-haft haben Altenstein und Schulze seine Verwaltung gerühmt*).Er betrachtete als seine erste Amtspflicht und zugleich alspersönliche Herzenssache die wohlwollende Förderung derAnstalt, für deren Verlegung nach Bonn und deren ersteEinrichtung er so erfolgreich mitgewirkt hatte; alle Störungenund Gefahren, die ihre ruhige Entwickelung bedrohten, be-strebte er sich deshalb möglichst abzuwenden. Lebhaft erfreutees ihn, wenn die Unhaltbarkeit von Anklagen sich heraus-stellte, die gegen verdiente Lehrer erhoben waren; um zuverhindern, dass das Misstrauen des Königs gegen die neueUniversität gesteigert würde, schritt er in ihrem und zugleichim Interesse der auf ihr studirenden Jünglinge mit väter-lichen Mahnungen und energischen Massregeln ein, sobalder die Keime einer verdächtigen Verbindung sich bilden sah.Durch eine Cabinetsordre, die im Juli 1821 an die Regierungs-bevollmächtigten gerichtet wurde, glaubte er besonders be-rechtigt und verpflichtet zu sein - weitere Uebel in dieserRichtung nach Kräften zu verhüten, und wirklich gelang esihm nach Altensteins Urtheil, das dieser 1822 in einem Be-
*) S. ihre und Thiels Aeusserungen über Rehfues in dessen Lebens-bild, das im XVIII. Bande der Zeitschrift für preussische Geschichte1881 veröffentlicht wurde, S. 204 ff. lieber R.'s Verfahren gegen Stu-denten vgl. namentlich auch Wolfgang Menzels Denkwürdigkeiten S. 145,Bachmann, Hengstenberg I, 38 f. und Dubois-Reymond, Reden II, 153.