276 Zweites Buch. Erstes Capitel.
ausdrücklich hervorhebt, „mit Recht als Minister gelten;gegen Räthe, die sich unabhängig von ihm geltend zu machensuchten, verschluss er sich und beschäftigte sie nur insoweit,als er es nicht zu vermeiden wusste". Aber „wen er achtengelernt hatte, den vertrat er gegen alle Anfeindungen undauch wenn er ihn nicht gewählt hatte, schützte er ihn gegenMassregeln, die er nicht billigen konnte". „Im Grund desHerzens zuwider war ihm ein oberflächliches Behandeln derGeschäfte". Dagegen „wusste er die Ansichten seiner Räthe,auch wenn er sie nicht theilte, zu ehren; ihren Widerspruch,,auch wenn er ihm unbequem war, ertrug er und wenn ersie nicht von der Richtigkeit seiner Meinung überzeugenkonnte, war es ihm jedesmal peinlich und er suchte irgend-wie eine Vermittelung der einander gegenüber stehendenAnsichten zu bewirken". Wie von sich selbst, forderte erviel „von seinen Räthen und besonders von denen, die wieer sich auszudrücken pflegte, ihm zu Dank arbeiteten"; dafüraber fanden auch grössere und schwierigere Arbeiten letz-terer von seiner Seite stets eine richtige Würdigung undermunternde Anerkennung und „er behandelte sie nicht alsseine Untergebenen, sondern als seine zu einem ehrenvollenTagewerk mit ihm verbundenen Freunde".
Sehr bald, nachdem er sein neues Amt angetreten hatte,wurde ihm klar, dass die Behörde, an deren Spitze er gestelltwar, so schwach und zum Theil fehlerhaft besetzt sei, dass„sie in diesem Zustand sicher kaum das Bestehende leiten"könne. „Die Bessern, schrieb er im Mai 1818, erliegen schonjetzt der Anstrengung. Die üblen Folgen zu grosser An-strengung in dieser Section sind fühlbarer als bei jedemandern Verwaltungszweig. Bei solcher ist ein stetes wissen-schaftliches Fortschreiten derer, von welchen die Bildungausgehen soll, unerlässlich. Es ist an neue Schöpfungen, dieeiner besondern Pflege bedürfen, gar nicht zu denken oderfür den Erfolg nicht einzustehen, wenn nicht Hülfe erfolgt".Eine angemessene Vermehrung des Personals war um sonöthiger, als gerade die Kraft des bisher in allen Unter-richtsfragen thätigsten Arbeiters nicht nur durch die über-mässigen Anstrengungen der letzten Jahre, sondern auch