274 Zweites Buch. Erstes Capitel.
werthung zu bringen. 1815 leitete dieser die Zurücknahmeder von den Franzosen geraubten Kunst- und Bücherschätzeals Vorsitzender des hierzu in Paris eingesetzten Ausschusses;in den folgenden Jahren wurde er zu Gutachten über dieOrganisation der neuen Verwaltungsbehörden aufgefordert undim März 1817 in den neu gebildeten Staatsrath berufen.Seiner Neigung und Begabung entsprach es besonders, dasswenige Monate darauf ihm die Pflege des Bildungswesensanvertraut wurde.
Mit Recht ist hervorgehoben, wie sehr nicht nur seineäussere Stellung, sondern auch seine Anschauungsweise vonder seines unmittelbaren Vorgängers verschieden war. „WennSchuckinann, sagt Eylert*), mit starker Hand die Formendes Geschäftsgangs fest und alles in einer consequenten Be-wegung hielt, durch kategorische und wo es ihm gut dünkteselbst durch polizeiliche Massregeln, so fasste Altenstein denGeist der Sachen auf und behandelte sie wissenschaftlich".Er hatte neben juristischen naturwissenschaftliche Studiengetrieben und namentlich die Botanik lieb gewonnen; da-
*) In seinem oben angeführten Buch über Friedrich Wilhelm 1H.Bd. I, 361. Seine Charakteristik Altensteins ist auch in den neuerenZeichnungen besonders verwerthet, die von diesem Treitschke in derDeutschen Geschichte II, 231 ff., Harnisch, Volksschulwesen S. 56 ff.,Tholuck in Herzogs Theologischer Real-Encyclopädie I, 256 ff. und2. Aufl. I, 313 ff. und Helwing in Bluntschiis und Braters DeutschemStaatswöiterbuch I, 174 ff. entworfen haben. Letzterer hat sich hierbei seinen Bemerkungen über Altensteins politische Gesinnung (S. 176 f.)und über seine Verwaltung der preussischen Gymnasien und Univer-sitäten z. Th. wörtlich an eine auch von mir stark benutzte historischeSkizze Schulzes angeschlossen, die dieser bald nach Altensteins Todaufzeichnete und 1848 an Varnhagen schenkte, unter dessen Papierensie jetzt auf der Berliner Königlichen Bibliothek aufbewahrt wird.Sie wurde ursprünglich wohl für Rehfues niedergeschrieben, der 1840beabsichtigte einen Aufsatz über Altenstein zu veröffentlichen; erspricht darüber in einem Brief vom 16. September d. J., in welchemer Schulze für dessen ihm übersandte „vortreffliche Arbeit zur Cha-rakteristik unseres verewigten Ministers als Staatsmann und Menschen"dankt und zugleich anfragt, wie er nun wohl auch hinsichtlich dergeistlichen und Medicinal-Angelegenheiten genügendes Material sichverschaffen könne; vielleicht ist mit deshalb, weil sein hierauf be-züglicher Wunsch nicht erfüllt wurde, sein Plan nicht ausgeführt worden.