262 Zweites Buch. Erstes Capitel.
so legte er hier eindringlich dar, wie wichtig die Anlageeiner solchen positiv wirkenden geistigen Festung am Rheinund die richtige Wahl des Orts für sie sei. Werde sie inKöln angelegt, so sei sehr zu befürchten, dass ihr grosserZweck verfehlt werde: von dem Geist des Obscurantismusdrohe hier der philosophischen Facultät, dem Brennpunktalles freien Denkens Gefahr; die Stiftung einer evangelisch-theologischen Facultät würde hier grosse Reibungen herbei-führen und doch nur wenig Studenten anziehen. In Bonndagegen würden weder Protestanten noch Katholiken zu stu-diren Bedenken tragen; hier könnten mit Aussicht auf Er-folg neben einander eine katholische und eine evangelischetheologische Facultät errichtet werden; hier werde sich inallen Zweigen der philosophischen Facultät ein freier Geistdes Denkens und des wissenschaftlichen Forschens entwickeln.Und nur dann würden auch die Kölner Kunstschätze einewirklich wohlthätige Wirkung auf die Zöglinge der neuenHochschule üben. Denn die durch die Naturschönheiten umBonn belebten und geweckten, durch gründliche Lehrvor-träge vorbereiteten Jünglinge würden sie mit richtigeren An-sichten betrachten als das immer von ihnen befangene, immerin dieser Umgebung brütende und von den Feierlichkeitendes katholischen Gultus berauschte Gemütk.
Deutlich lassen diese Ausführungen Süverns erkennen,wie er auch in dieser Frage Humboldts Standpunkt*) ver-trat; von ihm aus drang er vor allem darauf, dass sie imgrossen Stile behandelt werde. Noch principieller gefasst aberentwickelte er seine pädagogisch-politischen Grundgedankenunmittelbar darauf in einer Denkschrift vom 8. August, inwelcher er den Antrag auf Erlass einer „allgemeinen Schul-ordnung" begründete. Als treuer Anhänger Steins und Hum-boldts ging er hier von der Erwägung aus, dass jeder Staat
*) Eine bestimmte Aeusserung Humboldts über die Wahl desOrts für die rheinische Universität ist mir nicht bekannt geworden;wie sehr er aber gerade auch in dieser Zeit die Griechen hoch hieltim Gegensatz zu der „christlich-gothischen oft fratzenhaften Moderni-tät", die er rund um sich herum sah, zeigt sein Brief an Goethe vom19. Juli 1816. (N. M. aus Goethes Nachlass III, 268.)