Verhandlungen über Ort der rheinischen Hochschule. 259
Städte in das Feld geführt wurden, senkte sich die Wageimmer mehr zu Gunsten Bonns. Selbst Niebühr, der ent-schieden für Köln gestimmt war, hob hervor, wie viel förder-licher in mehr als einer Hinsicht eine kleine Stadt für dasGedeihen des akademischen Lebens sei als eine grössere; wereinmal von Bonn über den grünen Rhein zu den malerischenHöhen des Siebengebirgs geblickt hatte, musste empfinden,wie sehr der „anmuthliche Naturreiz" dieser Landschaft, dieVereinigung von „Lieblichkeit, Schönheit und Erhabenheit",die Arndt mit Recht an ihr pries, die Herzen deutscher Jüng-linge erquicken würde; vor allem aber sprachen gerade gegendie Wahl Kölns Gründe, aus denen manche diese Stadt be-sonders empfahlen.
Nie hatten ihre mittelalterlichen Bauten und Bilder sowarme Begeisterung erregt als in diesen Tagen; auch Goetherief entzückt, als ihm die Brüder Boisseree die altdeutschenKunstwerke zeigten, die sie gesammelt hatten: „Ach Kinderwas sind wir dumm, wir bilden uns ein, unsere Grossmuttersei nicht auch schön gewesen; das waren andere Kerle alswir, ja Schwernoth! die wollen wir gelten lassen, die wollenwir loben und abermals loben, die verdienen, dass Fürstenund Kaiserinnen, dass alle Nationen kommen und ihnenhuldigen!" Aber gründlich irrten sich die romantischen Ver-ehrer der altdeutschen Kunst, wenn sie aus solchen WortenGoethes die Hoffnung schöpften, er werde deshalb zu ihrereinseitigen Bewunderung des Mittelalters und ihren mystischenreligiösen Tendenzen sich bekehren, es sollten nun „die Pro-pyläen sinken und mit ihnen die Götterbilder in den Elegienund statt der Iphigenie eine grosse herrliche christlicheHeldin Goethen den Kranz der Unsterblichkeit aufsetzen"*).
*) So wörtlich Eberhard von Groote in einem Brief vom 19. "Novem-ber 1814, Sulpiz Boisseree I, S. 239 f. S. ebenda S. 234 Goethes obenangeführte Aensserungen über die Bilder der Boisseree. Ueber denGegensatz der Weimarischen Kunstfreunde gegen das „neutatholischeKünstlerwesen" vgl. Paul Weizsäckers Einleitung zu seiner Ausgabeder Kleinen Schriften von Heinrich Meyer S. XI ff., Hehns Gedankenüber Goethe S. 123 ff. und H. Grimm in der Deutschen BundschauXLV1I, 444 ff.
17*