258 Zweites Buch. Erstes Capitel.
als dieser bald nach dem Sckluss der Befreiungskriege nachdem Niederrhein kam; er glaubte damals „die Frage zwischenBonn und Köln schweben lassen" zu müssen*). Für letzteresbemühte sich Sulpiz Boisseree auch bei Gneisenau; durchdessen Vermittelung reichte Boisserees gesinnungsverwandterLandsmann Eberhard von Groote auch bei Hardenberg eineDenkschrift zu Gunsten seiner geliebten Vaterstadt ein**).Diese Vorstellungen blieben auch in Berlin nicht ohne Ein-druck: nachdem im October 1815 auf eine Immediateingabedes Magistrats in Bonn der König sich günstig für dessenAnsprüche ausgesprochen, die definitive Entscheidung abervorbehalten hatte, schrieb im März 1816 Hardenberg anGneisenau: „Dass die Universität nach Köln kommt, werdenauch Sie gern vernehmen"***). Aber bei genauerer Prüfungder Gründe, welche für die beiden mit einander wetteifernden
*) So äussert er sich selbst in seinem Schreiben an Sack, der ihnum ein Gutachten ersucht hatte, vom 15. Januar 1816 im 27. Jahrg.der Grenzboten (1868) II. Semester Bd. II, S. 441 ff.
**) S. seinen Brief an die Brüder Boissere"e vom 26. März 1816 inPicks Monatsschrift für rheinisch - westfälische GeschichtsforschungBd. I S. 539 ff. und sein Schreiben aus Paris vom 7. Nov. 1815 inEnnens Zeitbildern aus der neueren Geschichte der Stadt Köln S. 254ff.Vgl. ausserdem über die Bemühungen der Kölner Freunde der alt-deutschen Kunst für ihre Vaterstadt namentlich das von MathildeBoissere"e herausgegebene Werk über Sulpiz Boissere"e Bd. I S. 201 ff.215 ff. 235 ff. 242. 333 ff. Einige Stellen der hier angeführten Briefekönnten auf den Gedanken führen, dass Eberhard von Groote die imGeheimen Staatsarchiv (Rep. 74 L. 3. v. I) aufbewahrte Denkschrift zuGunsten Kölns verfasst habe, deren wichtigste Abschnitte Sybel unterden Beilagen zu seiner Rede über die Gründung der Universität Bonnin seinen Kleinen historischen Schriften Bd. II, S. 433 ff. abgedruckthat. Doch spricht dagegen nicht nur, dass (S. 440) unter den KölnerSammlern Groote ausdrücklich genannt ist; andererseits habe ich auchfür die von Sybel beiläufig geäusserte Vermuthung, „vielleicht" seidiese Denkschrift von Friedrich Schlegel verfasst, in den mir bekanntenQuellen keinen Anhaltspunkt gefunden. A. a. 0. hat Sybel auch dieim Text erwähnten Gutachten von Arndt und Süvern über diese Fragegrösstenteils veröffentlicht und besonders deren Zusammenhang mitden grossen principiellen Gegensätzen der Zeit zuerst nachdrücklichbetont.
***) Gneisenaus Leben V, 92. S. ebenda S. 79 ff. Niebuhrs Schreibenan Gneisenau vom 24. Februar 1816.