Druckschrift 
Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
Seite
257
Einzelbild herunterladen
 

Universitäten in der Provinz Sachsen und am Rhein. 257

1816 definitiv die Schliessung der dortigen Hochschule ver-fügt wurde.

Geringere Anziehungskraft noch als die Erfurter hattedie ebenfalls jetzt wieder an Preussen gefallene DuisburgerUniversität geübt. Die bedeutsamen Absichten und Aus-sichten, die an diese Stiftung des Grossen Kurfürsten in denTagen ihrer Gründung sich geknüpft hatten, waren niemalsin Erfüllung gegangen; von den Wirren am Anfang diesesJahrhunderts hart beti'offen, zählte sie, als das französischeRegiment in dem Grossherzogthum Berg, unter dem sie schwergelitten hatte, zusammenbrach, nur 3 Professoren, 2 Medi-ciner, welche nothdürftig einige Holländer unterrichteten,und 1 Juristen, welcher seit lange keine Zuhörer mehr hatte.Schwerlich konnten dieser abgestorbenen Anstalt so reicheKräfte zugeführt werden, dass sie zur Lösung der neuengrossen und schwierigen Aufgaben befähigt wäre, welchejetzt einer deutschen Hochschule im preussischen Rheinlandgestellt werden mussten. Sofort bei der Besitzergreifung:seiner neuen rheinischen Lande hatte der König ihren Be-wohnern versprochen, eine Universität unter ihneu zu er-richten; einmüthig sprachen die verschiedensten Stimmen sichdafür aus, wie wünschenswerth die baldige Ausführung dieserZusage sei; aber lebhafter Streit erhob sich darüber, wie undwo diese Anstalt am Rhein zu gründen sei. Zum Sitz der-selben wurden namentlich zwei niederrheinische Nachbar-städte warm empfohlen, deren mit einander rivalisirende Hoch-schulen beide durch die v Franzosen zerstört waren. Schon1814 äusserten einige für ihre Vaterstadt und deren Alter-thümer begeisterte Kölner den Wunsch nach Wiederherstel-lung der hier im vierzehnten Jahrhundert begründeten Uni-versität; noch in demselben Jahr aber vertrat in einer eigenenSchrift Philipp Joseph von Rehfues, der kurz zuvor zumBonner Kreisdirector ernannt war, die „Ansprüche und Hoff-nungen der Stadt Bonn", in der eine von den beiden letztenKurfürsten geförderte hohe Schule in entschiedenem Gegen-satz zu der Kölner im Sinn der Aufklärung gewirkt hatte.Beide Parteien beeiferten sich literarische und politischeAutoritäten für sich zu gewinnen, unter ihnen auch Goethe,

Varrentrapp, Joh. Schulze. 17