Seine Leistungen für die Universitäten. 245
Besuch anderer deutscher Hochschulen verboten hatte: sowurde im April 1810 dies Verbot unbedingt aufgehoben.Nicht durch Zwangsmassregeln gegen die deutschen Schwester-anstalten wollte Humboldt die preussischen Universitätenfördern, sondern durch Erhöhung ihres inneren Werthes. AlsPreussen seine sämmtlichen Lande westlich der Elbe hatteabtreten müssen, war dadurch auch die Mehrzahl der bisherihm angehörenden Hochschulen ihm'entzogen: ausser Halleauch Duisburg, Erlangen und Erfurt, ganz abgesehen vonden beiden auch den Namen einer Universität führenden,aber nur unvollständig organisirten Anstalten in Münster undPaderborn, welche wie Erfurt erst 1803 für den preussischenStaat gewonnen waren; so waren diesem nur Königsbergund Frankfurt verblieben. Beiden wandte Humboldt seineSorge zu: namentlich nach Königsberg wurden hervorragendeLehrer berufen; das Wichtigste aber war, dass zugleich, um„einen neuen Eifer und neue Wärme in ganz Deutschlandfür das Wiederaufblühen des preussischen Staats zu erregenund ihm alles, was sich in Deutschland für Bildung und Auf-klärung interessirte, auf das Festeste zu verbinden, in einemZeitpunkt, wo ein Theil Deutschlands von Krieg verheert,ein anderer in fremder Sprache von fremden Gebietern be-herrscht ward, der deutschen Wissenschaft eine kaum nochgehoffte Freistatt" in der preussischen Hauptstadt eröffnetwurde. Mit diesen Worten begründete Humboldt beim Königseinen Antrag auf die Errichtung der Universität Berlin; fürdie Lösung der grossen nationalen Aufgabe, welche er ihrzuwies, wählte er mit unübertrefflichem Takt die geeignetenMittel und Menschen. Er lehnte den radikalen Plan Fichtesab, welcher einen entschiedenen Bruch mit der Ueberlieferungforderte; er glaubte vielmehr, eine höhere Lehranstalt könneam Besten mit Ernst und Solidität einer gewissen in Berlinbefürchteten Frivolität begegnen, wenn sie sich so streng,als es der Geist der Zeit erlaube, an die Formen der bis-herigen Universitäten binde*); indem er all die Schwierig-
*) So bemerkte er Altenstein gegenüber in einem ungedrucktenim Geb. Staatsarchiv aufbewahrten Brief vom 20. Juli 1809.