Humboldts Deutschheit und Hellenenthum. 243
er sieh noch enger an Deutschland geknüpft, das er „rechteigentlich in tiefer Seele" liehte. „Da ich fest überzeugtbin, schrieb er auf seiner Reise nach Norden im October1808*), dass gerade dies Unglück Motiv werden sollte fürdie Einzelnen muthiger zu streben, für Alle sich mehr zufühlen, so möchte ich sehen, ob die gleiche Stimmung auchbei Andern herrschend wäre und dazu beitragen sie zu ver-breiten." Durch die Belebung solchen Geistes, durch die Be-lebung der „Deutschheit" in den preussischen Unterrichts-anstalten förderte er nun auf das Kräftigste die Erhebung.des preussischen Staats und der deutschen Nation.
Nicht nur durch die Grösse und Bedeutung des Schau-platzes seiner Wirksamkeit zeichnete sich dieselbe vor ver-wandten Bestrebungen aus, so auch vor den BemühungenSchulzes und Passows, die wir früher betrachteten: seinunausgesetztes eindringendes Studium der classischen Lei-stungen hellenischer und deutscher Dichtung und Philosophie,sein inniger Verkehr mit seinen grossen Freunden, mit Wolfwie mit Schiller und Goethe, seine Reisen und sein Aufent-halt in Rom, in dem „reiner und stärker alles was menschlicherklingt in ihm wiedertönte", hatten in ihm das feinste undtiefste Verständniss für die Aufgaben humaner Bildung unddie Wege, auf denen sie zu gewinnen war, entwickelt. Volldurchdrungen von der Ueberzeugung, dass der griechischeGeist „wie vom Weltschicksal gestempelt erscheine die Bil-dung künftiger Jahrtausende in sich zu tragen", verhalf er jetztin Preussens höheren Unterrichtsanstalten den Bestrebungender letzten Jahrzehnte, den Bemühungen namentlich Wolfsfür das Studium des classischen Alterthums zu entschiedenemSiege; weil er das hellenische Wesen in seiner tiefsten Eigen-thümlichkeit erfasst hatte, weil er innerliche Verwandtschaftmit ihm besass, bewährte er dabei überall Mass haltendeBesonnenheit: gänzlich frei von jugendlicher und romantischerSchwärmerei hielt er sich fern von allen phantastischen
de Prusse S. 311 ff. und von Seeley in seinem Leben Steins (Tanchnitzedition) Vol. III, p. 77—87.
*) S. seine Briefe an Weleker hrg. von Haym S. 6.
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