240 Zweites Buch. Erstes Capitel.
wirken, den er zuerst als des Guten Grundstein, des BösenEckstein, der Deutschen Edelstein bezeichnet hat. Schmerz-lich empfand er deshalb Steins Sturz; es leuchtet ein, wases bedeutete, dass gerade nach demselben für die von ihnenBeiden gemeinsam erstrebten Ziele dieser von Stein „wegenseiner seltenen Geisteskräfte und Kenntnisse und seines reinenedlen Charakters" hochgeschätzte Patriot — und vor Allensein neuer Vorgesetzter die eifrigste und erfolgreichste Thä-tigkeit entfalteten.
„An ehernen Gesetzen führt gekettetDer irdischen Geschlechter WandelreihenDas Schicksal unerbittlich seinen Pfad.Auch uns hat es auf Rosen nicht gebettet;Doch aus des Busens Tiefe strömt GedeihnDer festen Duldung und entschlossner That":
in diesen Worten, die Wilhelm von Humboldt 1808 in Albanodichtete, hat er seiner Lebensauffassung und seiner Anschauungder damaligen Lage des Vaterlandes, hat er der Gesinnungcharakteristischen Ausdruck gegeben, in der er bald daraufzur Leitung des preussischen Unterrichtswesens berufen wurdeund sie übernahm. Als Vierundzwanzigjähriger hatte er, umfrei seiner Selbstbildung leben zu können, in den Tagen desWöllnerschen Regiments den Staatsdienst aufgegeben, in dener kurz zuvor eingetreten war, und unmittelbar darauf inseiner Jugendschrift über die Grenzen der Wirksamkeit desStaats sich gegen öffentliche d. i. vom Staat angeordnete undgeleitete Erziehung erklärt, weil er fürchtete, dass. sie diefreie Ausbildung des Individuellen im Menschen schädige;aber bei dem Weitergang seiner eigenen und der allgemeinenEntwickelung rnusste er sich überzeugen, welche Bedeutungauch hierfür Nation und Staat besitzen: so war es keineVerläugnung, sondern eine Weiterbildung seiner idealistischenAnsichten, es war die beste Bewährung der SchillerschenAuffassung der ästhetischen Erziehung, zu der er sich bekannte,dass er freie humane Bildung jetzt nicht neben, sondern indem vaterländischen Staat zu fördern strebte und dadurch dieAufgaben und Kräfte des Staats und seiner einzelnen Gliedererhöhte. Um sich von den Eigentümlichkeiten fremder Völker