236 Zweites Buch. Erstes Capitel.
Niebuhr gepflogenen Erörterungen über die Reorganisationdes Staats verfasste, schrieb er: „Es liegt in der als leitendesPrincip angenommenen höchsten Idee des Staats, dass er denhöchsten Werth auf echte Wissenschaft und schöne Kunstlege. Frankreich bei einer untergeordneten auf blosse Kraft-äusserung gerichteten Tendenz kann die Wissenschaft undKunst nicht von diesem reinen Standpunkt betrachten. Es istmit solchem in Widerstreit, indem es solche zu einem niedrigerenZweck zu gebrauchen sucht und sie entweiht. Die Wissenschaftund Kunst wird sich dereinst rächen, indem sie sich derhöhern Tendenz anschliesst und dieser den Sieg versichert.Preussen muss dies benutzen." Die dazu nöthigen Gelder,erörterte Altenstein, müssten und könnten auch in dieserZeit beschafft werden; denn auch hierdurch würden die Mittelzur Erhaltung des Staats erhöht; der hierfür erforderlicheKostenaufwand sei nicht so gross und solchen Bestrebungenwerde sich auch der fremde Machthaber nicht entgegensetzen,da er die ihnen zu Grunde liegende Tendenz nicht ahne.Hardenberg, der bereits in seinen früheren Stellungen inBraunschweig und den fränkischen Fürstenthümern sich eifrigfür die Besserung des Unterrichtswesens bemüht hatte, stimmte,wie Ranke sagt, „in seiner weniger hochfliegenden, mehr aufdas Praktische gerichteten Weise" doch im Wesentlichen Alten-stein zu, als er unter Benutzung von dessen Ausführungen demKönig eine tiefgreifende Umgestaltung des Staats vorschlug;noch bestimmter hat Stein, der solche durchzuführen unternahm,durch Wort und That seine Ueberzeugung vertreten, dass zu denwichtigsten Aufgaben des Staats die Entwickelung der Kräfteder Jugend gehöre. Es entsprach der ethisch-pädagogischenRichtung seines politischen Denkens und Handelns, dass erdie Anwendung der Pestalozzischen Methode empfahl, weilsie die Selbstthätigkeit des Geistes erhöhe, den religiösenSinn und alle edleren Gefühle des Menschen errege, dasLeben in der Idee befördere und den Hang zum Leben imGenuss mindere und ihm entgegenwirke. Da er in „Literaturund Erziehung ein so kräftiges Mittel zur Leitung des gegen-wärtigen und zur Veredelung des zukünftigen Geschlechts"sah, erklärte er für nothwendig, „seine Anwendung einsichts-