Schwierigkeiten in den polnischen Provinzen. 231
aber war eine solche durchzuführen in einem Land, vondessen Bevölkerung jetzt mehr als ein Drittel einer fremdenNation angehörte und noch der ersten Voraussetzungen fürhöhere Bildung entbehrte? Ausserordentliches hatte in kurzerZeit Friedrich der Grosse für Westpreussen und namentlichfür dessen Landschulen geleistet; aber als Meierotto 20 Jahreuach der preussischen Besitzergreifung diese Gegenden be-reiste und gründliche Untersuchungen über den Zustand ihresUnterrichtswesens anstellte, musste er berichten, derselbe seiunvergleichlich schlechter als in irgend einer anderen Provinz,ja leider sei in letzter Zeit eine Abnahme des Eifers unddeshalb eine Verschlimmerung sichtbar. Unmittelbar daraufsteigerten nun die zweite und dritte polnische Theilung dieAufgaben und Schwierigkeiten des preussischen Beamten-thunis auch auf diesem Gebiet auf das Höchste. Von denUniversitäten wurden Klagen laut, dass die Studenten, die zuihnen aus Südpreussen und Neu-Ost-Preussen kämen, denVorlesungen nicht folgen könnten, da sie keine genügendeVorbildung und namentlich „in der deutschen Sprache nureine sehr geringe oder gar keine Fertigkeit" besässen; voll-ständig stimmten hiermit die Aeusserungen der Behördendieser Provinzen überein. Als eine Prüfung der Abiturientenauch hier unter Berücksichtigung der Instruction von 1788angeordnet werden sollte, erklärte die Warschauer Kammerim Jahre 1800, sie selbst würde diese Einrichtung, derenhohen Werth sie voll würdige, für die Schulen ihres Departe-ments vorgeschlagen haben, wenn sie nicht überzeugt wäre,dass „keine dieser sogenannten gelehrten Schulen sich über-haupt zur Vorbereitung auf die Universität eignete". So langediese Lehrinstitute blieben, was sie jetzt seien, würde auchbei Anlegung eines niedrigeren Massstabes nicht einer ihrerSchüler, ja kaum einer ihrer Professoren in einem gründlichangestellten Examen für gehörig vorbereitet zur Universität er-klärt werden — selbst abgesehen von der Kenntniss des Deut-schen, die ihnen allen fehlte.
Die Herstellung eines befriedigenden Zustandes des höherenBildungswesens hätte unter solchen Umständen viel Zeit undMühe auch bei grösster Energie und bestem Zusammenwirken