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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
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230 Zweites Buch. Erstes Capitel.

Ministers alleinige Meinung stets decidiren" sollte, so setzteMassow schon im ersten Monat seiner Amtsführung dieWiederherstellung des Stimmrechts der Mitglieder des Ober-schulcollegs durch. Dankbar für sein Vertrauen und ein-verstanden mit ihm in der Auffassung vieler wichtigerAufgaben bemühten diese sich nun zusammen mit ihremChef eifrig für deren Lösung: wie in anderen Verwaltungs-zweigen sind auch auf dem Gebiet des Unterrichtswesensschon in diesem ersten Jahrzehnt der Regierung FriedrichWilhelms III. manche wichtige Reformen angeregt und vor-bereitet worden. Vor allem interessirten sich der König undseine Räthe damals für die Hebung der Volksschulen; aberauch über die höheren Bildungsanstalten, namentlich über diePrüfung ihrer Abiturienten und Lehrer wurden eingehendeVerhandlungen gepflogen; schon früher wies ich auf den Auf-schwung hin, den eben in dieser Zeit die Universität Halleund Wolfs philologisches Seminar genommen haben. Den-noch ist von Beurtheilern, welche dem guten Willen unddem ausdauernden Pleiss des Ministers volle Anerkennungzollen, mit Recht die Mangelhaftigkeit der Leistungen seinerVerwaltung hervorgehoben*).

Ein Grund hierfür lag zunächst in den Schwierigkeiten,welche der Erwerb der polnischen Provinzen für Preussenmit sich brachte. Massow erstrebte eine bessere ^Natio-nalerziehung" insämmtlichen preussischen Staaten"; wie

*) Von Baasewitz, Kurmark Brandenburg im October 1806 S. 368und von Thilo in Schmids Pädagogischer Encyolopädie VI, 177; 2. Aufl.VI, '289 ff. S. ausserdem über Massow die in Friedländers Artikel überihn in der AUg, Deutschen Biographie XX, 573 verzeichnete Literaturund besonders Köpke, Gründung der Universität Berlin S. 12 ff., deraus den Handakten des Ministers werthvolle Mittheilungen namentlichüber dessen Stellung zu den Universitäten macht. Eine Prüfung undErgänzung der in diesen Büchern enthaltenen Angaben ermöglichtemir ein Einblick in die im Geh. Staatsarchiv aufbewahrten Akten desOberschulcollegs aus dieser Zeit; durch sie wird das TJrtheil bestätigt,das Treitschke im ersten Band seiner deutschen Geschichte über dieFolgen der polnischen Theilungen für die preussische Verwaltung undüber der letzteren vielseitige Bestrebungen und geringe Erfolge imersten Jahrzehnt der Regierung Friedrich Wilhelms III. gefällt hat.