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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
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228
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228 Zweites Buch. Erstes Capitel.

Fast ein Jahrzehnt hatte Wöllner an der Spitze despreussischen Unterrichtswesens gestanden, als im November1797 sein königlicher Gönner starb. Sein Nachfolger wurdedurch die Deutung, welche einer sofort nach seinem Regierungs-antritt erlassenen Cabinetsordre über das Verhalten der Staats-diener von Wöllner gegeben war, zu einem scharfen Ver-weise des Ministers veranlasst, bei dem die grundsätzlicheVerschiedenheit der Anschauungen des neuen Herrschers von

Geschichte S. 577 ff. und die Ausführungen von Stölzel in seinem an-ziehenden und lehrreichen Buch über- Svarez S. 242 ff. förderlichgewesen. Dass dagegen auch in den auf die Verwaltung des Unter-richtswesens bezüglichen Abschnitten von Philippsons Geschichte despreussischen Staatswesens seit dem Tode Friedrichs des Grossen sorg-fältiges Studium der benutzten Quellen sich ebenso vermissen lässt alsgründliches Verständniss der behandelten sachlichen Fragen, zeigtemir namentlich ein Vergleich der von ihm in Bd. I S. 226 und 228über die westpreussischen Schulen und die Frage der Lehrerprüfunggemachten Angaben mit den von ihm citirten Archivalien; manchevon ihm gegen Wöllner erhobene Vorwürfe halte ich deshalb nichtfür stichhaltig; aus dem Text aber ist ersichtlich, dass ich noch vielweniger eine Rettung Wöllners und seines königlichen Gönners fürbegründet erachten kann, wie sie neuerdings Paulus Cassel u. d. T.:Friedrich Wilhelm II. eine hundertjährige politische und kirchlicheErinnerung (Gotha 1886) veröffentlicht hat. Zur Würdigung seinerErörterungen genügt wohl ein Hinweis auf den für seinen eigenthüm-lichen Geschmack bezeichnenden Satz (S. 61), dass jeder der preussischenKönige des 18. Jahrhunderts seinbesonderes Collegium hatte dererste ein trinkendes und rauchendes, der zweite ein philosophisches undschnupfendes, der letzte ein galantes", und auf seine Polemik gegenseinenverehrungswürdigen Lehrer", denverstorbenen Ranke" aufS. 107. Wenn Cassel erklärt, dessen Bemerkung, dass in WöllnersTagenauch die echteste wissenschaftliche Forschung mit missver-standenen Repressionen heimgesucht wurde", nicht verstehen zu können,so drängt sich die Frage auf, ob der Verfasser, der manche entlegeneFlugschrift für seine Darstellung verwerthet, wirklich nie etwas vondem gegen Kant beliebten Verfahren und von den durch Kapp ver-öffentlichten Aktenstücken über die in jener Zeit geübte Censur' ge-lesen hat. Gerade die letzteren zeigen anschaulich, in welchem TonWöllner mit verdienten Beamten zu verkehren sich befugt hielt; ausgleichem Grund ist es interessant, dass seine Urheberschaft des Re-scripts, welches 1796 denthörichten Stolz der bestallten Schullehrer"in Kloster Berge demüthigen sollte, neuerdings durch Holstein fest-gestellt ist.